Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Die orthodoxe Zeitschrift belehrt uns hierüber in folgender Weise: „Die großen erhabenen Ideen der Gotteserkenntniß sind nicht erst durch die Offenbarung angeregt, sondern nur ausgebildet, erweitert und zur Vollkommenheit gefördert worden. Gott fordert von dem vernünftigen, gottähnlichen Wesen, daß es sein von Gott Hervorgebrachtsein selbst hervorbringe, daß es sein höheres, geistiges Ich erkenne und auf dessen Ursprung zurückkehre. ES ist also Pflicht Gott durch die Vernunft zu erkennen. Wenn der Mensch dieser Pflicht mit Ernst nachstrebt, dann wird ihm ein tieferer Einblick in das Wesen Gottes, resp. seine Eigenschaften gewährt, denn der Mensch soll stets das höhere Geistige erstreben und den Erdensohn abstreifen. Nur durch Aneignung der göttlichen Eigenschaften kann sich die Seele ihrem Schöpfer nähern." Darnach ist also der Mensch wesentlich auf seine Vernunft gestellt; je weiter er seine Vernunft ausbildet, desto tiefer wird er in das von ihm noch nicht Erreichte durch Gott zum Lohne eingeführt. Die Offenbarung ist daher die entsprechende Belohnung des menschlichen Strebens nach richtiger Erkenntniß des Göttlichen. Die Offenbarung hat mithin nicht erst die rechte Gotteserkenntniß in dem sündlichen Menschen zu begründen und auf allen Stufen ebenso sehr fortzuführen als zu vollenden, sondern nur zu beschleunigen. Die Vernunft gelangt schon selbst durch ihre eigene Philosophie, wie man bei Abraham dies gesehn haben soll, zur rechten Gotteserkenntniß, die Offenbarung hat derselben nichts wesentlich Neues zu geben, sondern nur das Vorhandene zu mehren. Die Schrift freilich sagt gerade, daß zu der Zeit, als die Stimme Gottes an Abraham geschah, sein Haus ein götzendienerisches war, und während sie dies ausdrücklich bemerkt, fügt sie durchaus nicht hinzu, daß es mit Abraham selbst anders gestanden habe, sondern bei Josua Cap. 24, 2 heißt es vielmehr, daß Israels Vorfahren fremden Göttern gedient hätten, ohne Abraham von den anderen zu unterscheiden, und Jesaias 43, 27 hält Jehovah Israel vor: „Dein erster Vater hat gesündigt," um dem Volk zu zeigen, daß allein die sündenvergebende Gnade, nirgends aber eigene Gerechtigkeit, ihm vor Gott geholfen habe. Daraus aber sollten auch die heutigen Juden, welche