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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 zwischen sich und Gott herzustellen. Religion ist nichts in sich selbst Gegründetes, bezeichnet nicht das Verhältniß von Gott und Menschen, das seine Bestimmtheit von Gott her erhielte, sondern empfängt dieselbe vielmehr vom Menschen aus. Hier liegt allerdings ein Unterschied zwischen Orthodoxen und Reformern. Den Orthodoxen ist Religion das durch eine nicht mehr hinwegzuschaffende Lehre fixirte, aber freilich auch vielfach recht äußerliche Verhältniß zwischen Gott und Menschen, den Reformern ist Religion eine Beziehung des Menschen zu Gott, welcher der Mensch die ihm gefällige Gestalt giebt, wobei die Voraussetzung herrscht, daß auf diese Weise jedesfalls die Gemeinschaft mit Gott gefunden wird. Wir haben zuerst die orthodoxe Anschauung wiederzugeben versucht. Aber freilich müssen wir sagen, daß nach derselben Religion bald als ein Thun, bald als ein Gut (Lehre) bezeichnet wird, bald als das von dem Menschen Geleistete, bald als das dem Einzelnen Gegebene. Die innere Verbindung mag hierbei etwa darin gesucht werden, daß der Einzelne mit seinem Thun nicht auf sich selbst allein, sondern auf die überkommene Lehre gewiesen ist, oder man könnte etwa auch sagen: Religion nach orthodox-jüdischer Auffassung ist die in der Vernunft begründete und zum Thun gewordene göttliche Lehre. Eigentliche Klarheit in der Auffassung wird freilich wenig gefunden. Immerhin ist Religion den Orthodoxen ein Produkt des menschlichen Geistes, nämlich zuerst die Heraussetzung des Religiösen aus dem menschlichen Geist in Gestalt der Lehre. Und ihre Geburt hat die Religion der Philosophie dabei zu verdanken; die Philosophie nimmt zur Religion die Stelle der Mutter zur Tochter ein. Ist einmal Religion vor Allem die Lehre von dem Verhältniß des Menschen-zu Gott, dann geräth sie in eine solche Abhängigkeit von der Vernunft, daß sie in ihrem Wesen auf's Tiefste beeinträchtigt wird. Trägt doch Religion in Wahrheit vielmehr auf allen Stufen des menschlichen Lebens durchaus denselben Charakter, und ist in keiner Weise dem Maße nach von der höheren oder geringeren Entwickelung der Vernunft abhängig, sondern zeigt sich gerade auf der Kindesstufe oft in ihrer reinsten Gestalt, während sie von der orthodox-jüdischen Auffassung dem Wissen- und Erkenntnißstolz höchst bedenklich geopfert wird.

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