Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 daß endlich das ganze Judenihum bis in seine fernsten Ausläufer von derselben Bewegung ergriffen werden wird, welche bereits in dem größten Theile von Europa, ganz Amerika und Australien unseren Augen entgegentritt. Gerade das giebt uns das Recht die Grenzen in unserer Darstellung etwas enger zu ziehen. Für die Beschreibung selbst aber werden wir uns außer Selbsterlebtem und allgemein Bekannten an jüdische Zeitschriften, Gebetbücher, Werke religiösen Inhalts und Predigten 5» halten haben, um eine wirkliche Anschauung des Gegenwärtigen zu gewinnen; Bekenntnißschriften, welche eine entscheidende Geltung unter den Juden heutiges Tages hätten, liegen nicht vor. Versuchen wir hiernach die leitenden religiösen Ideen und überhaupt die Grundgedanken beider Parteien unter den Juden darzustellen und zugleich dieselben einer fortlallfcnden Prüfung zu unterwerfen. Da sehn wir denn sogleich in der ersten Frage, was ist Religion? Orthodoxe und Reformer auseinandergehn. Die Orthodoxen weisen selbst daraufhin, daß sie in diesem Punkte eine andere Stellung als die Gegenpartei einnehmen. Ihnen ist Religion die Lehre von dem, was der'Mensch zu thun und zu unterlassen hat, um Gott zu gefallen; denn der Mensch befindet sich einem göttlichen Willen gegenübergestellt, welcher ihm bestimmte Weisungen für sein Leben giebt, die er vor allen anderen erfüllen muß. Als Religion wird dann jedoch auch wieder das Thun bezeichnet, welches aus der Beobachtung der ganzen Summe der von Gott geforderten Leistungen besteht. Ist aber Religion nun zuerst den Orthodoxen ein Gut und zwar das Gut der Lehre, welche das Thun gebietet, um dessentwillen der Zusammenhang zwischen Gott und Menschen besteht, so wird dagegen die Vernunft als dasjenige Organ im Menschen bezeichnet, durch welches er in den Besitz der Religion gelangt. In der Vernunft selbst entsteht die Religion aus der natürlichen Philosophie des Menschen, und, wir schicken das hier voraus, gerade dadurch ist Abraham der religiöse Genius der Menschheit geworden, daß er durch seine Vernunft zur Erkenntniß Gottes sich führen ließ. Auf das Begreifen kommt es daher zuerst in der Religion an, die Religion ist in besondere Abhängigkeit vom Verstände oder von der Vernunft des Menschen gesetzt; und wir finden