Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeiten nur gastweise in der Zerstreuung außerhalb CanaanS wohnen zu wollen, daß ihnen der Versuch von Mendelssohn als ein Verrath an Gottes Volk und als die tiefste Verletzung des religiösen Berufes Israels erschien. Es entstand die bitterste Feindschaft gegen die Neuerer, denn man kannte nur die Wahl: entweder ein Christ werden und dann auch als ein Glied der christlichen Nationen leben, oder Jude bleiben und fern von dem nationalen Treiben der Völker zu verharren. Recht hatten allerdings, die nur dieses Entweder Oder kannten; Talmud und Mendelssohns Bestrebungen, der doch sonst sehr orthodox lebte, vertragen sich nicht miteinander; denn Volk sein oder nicht mehr Volk bleiben, das ist allerdings die Frage, um die es sich bei der von ihm eingeschlagenen Richtung handelt. Ganz scharf und richtig haben jene ersten Gegner des Neuen es erkannt, daß der erste Schritt, welcher eine Gleichmachung oder Vermischung der jüdischen Nation mit anderen Nationen herbeiführt, einen Kampf auf Leben und Tod veranlassen muß. Die Mendelssohnsche Bewegung aber ließ sich nicht mehr zurückhalten, noch heut ist sie der eigentliche Anlaß des Streites, welcher unter den Juden herrscht. Es haben sich zwei Parteien geschieden, die sogenannten Orthodoxen und die sogenannten Reformer, welche Letztere auch behaupten auf dem Boden der jüdischen Religion zu stehen, aber eine Reform derselben herbeiführen wollen. Wenn wir nun diese beiden Parteien beschreiben, so wollen wir uns zuerst dafür rechtfertigen, daß an dieser Stelle nicht das Judenthum in der ganzen Welt, sondern vornehmlich nur das der Culturvölker von uns berücksichtigt werden wird. Es giebt allerdings noch Gebiete, in denen das Judenthum die Gestalt zeigt, welche es vor Mendelssohn allgemein aufzuweisen hatte, und zwar finden wir diese Gebiete in den orientalischen Ländern, aber je mehr die Communikationsmittel der Neuzeit und die Verbindung fast aller Völker mit den die heutige Culturbewegung leitender Nationen die frühere Jsolirtheit der Einzelnen aufheben, desto gewisser treten allerwärts, bald rascher, bald weniger rasch, dieselben Erscheinungen unter den Juden hervor, welche wir in unseren Gebieten wahrnehmen. Man darf es wohl, ohne auf erheblichen Widerspruch zu stoßen, nur eine Frage der Zeit nennen,