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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 ausgeschlossen. Und die Juden ihrerseits wollten auch in der Fremde leben, nicht als Glieder der anderen Nationen an ihrer volksthümlichen Arbeit sich betheiligen. Je mehr aber der Gedanke „christliche Völker" zu sein den Nationen seit Mitte des vorigen Jahrhunderts verloren ging, desto mehr veränderte sich auch ihre Stellung zu den Juden. Je weniger die Herzen den Unterschied der Religionen fühlten, je mehr, soll man so sagen, eine allgemeine Menschheitsreligion sich Bahn zu brechen begann, desto mehr entschwand das Bedürfniß und das innere Recht die Juden noch in ihrer abgeschiedenen Lage zu belassen. Im Völkerleben, das wird je mehr und mehr der leitende Gedanke der Neuzeit, darf nicht die Religion, sondern allein das Staatsbürgerthum über die politische und sociale Stellung entscheiden. Die Gesetzgebung darf die Unterschiede der Religionen nicht insoweit berücksichtigen, daß sie um des Glaubensbekenntnisses willen Vorzüge der Einen vor den Anderen festsetzte oder festhielte, sondern muß die Rechte nach den ihren Bürgern ariferlegten Pflichten vertheilen. Und was theoretisches Princip geworden ist, das hat auch seinen Ausdruck in der Wirklichkeit gefunden. Man hat den Juden Lasten auferlegt, welche sie bisher nicht zu tragen hatten (z. B. den persönlichen Militairdienst), aber man hat sie auch von Schranken befreit, welche eine Folge ihrer nationalen Absonderung gewesen waren. Mit Beispielen dies zu belegen ist nicht nöthig, Jedermann weiß, wie die völlige Ausführung der neuen Principien hier oder dort noch Sache des Kampfes ist, und an anderen Stellen ihre Erledigung bereits gefunden hat. Es kam aber, als die neuen Grundsätze sich geltend machten, darauf an, ob die Juden aus ihrer nationalen Absonderung in das Leben der Völker, unter welchen sie wohnten, eintreten würden. Und das war nicht etwa eine selbstverständliche Sache. Als Moses Mendelssohn in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts den ersten Versuch machte an dem Culturleben des deutschen Volkes selbstthätig Antheil zu nehmen, erfuhr er den bittersten Haß vieler Juden; er wurde als ein Abtrünniger angesehen und in vielen Synagogen verflucht. So sehr hatten sich die Juden daran gewöhnt ein fremdes Volk mitten in den Wohnungen der anderen Völker zu sein, so sehr hatten sie sich vom Talmud dahin bestimmen lassen bis auf bessere

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