Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 erfuhren deshalb maßlose Verachtung und haben es auch nie zu irgend nennenöwerther Verbreitung gebracht. Die übrigen Juden standen als eine geschlossene Talmudgemeinschaft da, und waren voller Zuversicht, daß sie in dieser Form ihres Lebens wohl vorbereitet wären auf die Ankunft des Messias, der sie zum Lohn ihres Gehorsams gegen das talmudische Gesetz in die alte Heimath führen würde. Aber eS ist nicht zu leugnen, daß die Feindschaft der Völker, unter welchen die Juden zerstreut wohnten, eins der allerwichtigsten Momente gerade für diejenige Gestaltung des israelitischen Lebens, das uns die Geschichte seit der Zerstörung Jerusalems aufweist, gewesen ist. Die Juden bedurften eben einen Halt; sie waren trotz mancher Ausnahmen, die zeitenweise uns entgegentreten, mehr oder weniger die Ausgestoßenen und Verachteten der Nationen, in deren Mitte sie lebten. Die talmudische Verfassung gab ihnen wenigstens das Bewußtsein den Goim, d. h. den Völkern gegenüber das auserwählte Volk zu sein. Mochten ihre Schicksale noch so wechselnde sein, unter ihren talmudischen Ordnungen standen doch die Juden als ein besonderer Staat in den verschiedensten Staaten da. Und weil das Gebiet, auf welchem sie eine besondere Nation bildeten, ihnen nicht bestritten wurde, glaubten sie mit hohem Triumph an solcher Gegenwart ein Unterpfand für ihre künftige Erhöhung zur Herrlichkeit haben zu dürfen. Darum wurde der Talmud ihre Heimath, er wurde das ideelle Canaan, und im Besitz desselben vergaßen sie alles Trübselige der Wirklichkeit. Aber die äußere Lage der Juden veränderte sich. Unter den christlichen Völkern begann das Christenthum mehr und mehr die Macht zu verlieren, welche es auf die Gemüther ausgeübt hatte. Nicht bloß der Aberglaube, welcher je länger je mehr die christlichen Nationen erfüllt hatte, sondern auch der Glaube selbst fing an zu schwinden. Vorher hatten die sämmtlichen christlichen Kirchen ohne Ausnahme die Juden als Feinde der christlichen Religion von sich gestoßen, und die Verwerfung der jüdischen Lehre war oft genug in eine Feindschaft gegen das Volk selbst ausgeartet. Als christliche Völker hatten sich die katholischen eben so wohl als die protestantischen betrachtet, als christliche Völker daher auch die Juden von ihrem nationalen Leben