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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 Fälle des jüdischen Lebens unter dem Namen „Mischnah," d. h. Erneuemng, zusammengestellt. Die Mischnah wurde nun selbst ein geheiligter Codex, sie erfuhr bald dieselbe Ehre, wie das Gesetz Mosts. Der ganze Reichthum des israelitischen Geistes verbarg sich in der künstlichen Fortspinnung von Gesetzesbildungen, die nur aus dem eingebildeten Bestand eines jüdischen Staates erklärt werden können. Jnr vierten Jahrhundert entstand außerdemaus dem Studiren über die Mischnah ein neuer Codex, der Palästinensische Talmud genannt; auch dieser ist heilig geworden." Unter der Herrschaft dieses talmudischen Gesetzes bildete sich nun diejenige Gestalt des jüdischen Lebens heran, welche bis zum vergangenen Jahrhundert unter allen Völkern die gleiche blieb. So wenig das mosaische Gesetz in irgend einem Stück einen Ersatz gestattete, so ernst cs forderte nichts dazu und nichts abzuthun, so offenbar der Opfercultus fehlte, ohne welchen doch keine Gemeinschaft zwischen Israel und Gott möglich war, so völlig Alles in dem sinaitischen Gesetz an das Heiligthum zu Jerusalem und das Land Canaan gebunden ist, über das Alles setzten sich die Juden hinweg, denn sie hatten einen Ersatz gefunden und waren durch ihre talmudische Verfassung als ein besonderes Volk unter den Nationen trotz ihrer Zerstreuung erkennbar. Und die hohe Bedeutung hat allerdings der Talmud für die Juden gehabt, daß er sie, so weit sie auch wohnen mochten, überall wirklich zusammenhielt. Deshalb standen sie fest und treu zu deinselben unter allen Verfolgungen und Martern; sie gaben lieber ihr Leben hin, als daß sie z. B. eine Verletzung der Sabbat- oder Speisegesetze sich zu Schulden kommen ließen. Durch das Band des Talniud zusammengeschlossen verloren sie sich nicht unter den anderen Völkern, während viele große Nationen und oft ihre Dränger im Lauf derselben Jahrhunderte verschwunden sind. Eben daher war auch, obgleich mancherlei Streitigkeiten über den Umfang und die Ausdeutung des Talmud im Einzelnen unter den Juden entstanden, die weit überwiegende Zahl gegen eine Sekte aus ihrer Mitte eins, welche den Talmud nicht anerkennen wollte. Die sogenannten Karäer verwarfen das Gesetz der mündlichen Tradition und erklärten allein das wirkliche Gesetz Mosis für verbindlich, aber sie

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