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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 1-2 (1869) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
1-2 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Ein Schriftsteller der neueren Zeit sagt über diesen Punkt sehr richtig; „Lehrer und Forscher des sinaitischen Gesetzes waren damit beschäftigt die Lehre Mosis aus sich heraus immer weiter zu entwickeln und auch für die veränderten Lebens - und Volksverhältnisse brauchbar zu machen. Sie und ihre Nachfolger glaubten, wenn sie durch äußerliche Schlußfolge immer neue Gesetze aus dem alten Buche Mosis entwickelten, dadurch das Volksleben zu sichern und zu heiligen. Sie zogen einen Zaun um das Gesetz, indem sie dieses als die unerschöpfliche Quelle von Erklärungen ansahen, die wie das Gesetz beobachtet werden sollten. Es war nicht bloß ein theologisches Studium des Gesetzes, sondern Alles, was sie erforschten, war auch ein Werk, das gethan werden mußte. Das mosaische Gesetz wurde durch solche Forschung und Erklärung nicht nur unglaublich verschärft und erschwert, sondern um eine kaum zählbare Menge von einzelnen Vorschriften vermehrt; nicht bloß die religiösen, auch die gesellschaftlichen, häuslichen und rechtlichen Verhältnisse wurden dadurch bestimmt. Der Gehorsam, welchen das Volk den Vorschriften seiner Lehrer entgegenbrachte, war groß und ernst. Es sah in diesen die Fortsetzer der Tradition, die von Moses zu den Propheten, von diesen zu ven Aeltesten, d. h. zu den Lehrern, welche wie einst die 70 Aeltesten dem Moses, so nach dem Exil dem Esra als sog. große Synagoge zur Seite standen, übergegangen sei. Durch die Werke, welche dieses mündliche Gesetz gebot, dachten die Juden der Sünde, welcher der Fluch folgt, zu entfliehn, aber von der Sünde, welche trotz der Werke bleibt und durch alle Werke sich neu vermehrt, fanden sie keine Erlösung. Alle Buße und Heiligung war für sie in die Werke beschlossen. Freilich erwarteten sie einen Messias, aber innerhalb ihres Gesetzes. Das Ideal ihrer Arbeit war eine nationale Freiheit und Herrschaft über die Völker. Der politische Staat Israel schien ihnen für immer das Reich Gottes; diese politische Ordnung sollte immer das Gesetz wiederspiegeln. Darum glaubten sie in ihren Gesetzeslehren und Schulen den politischen Staat noch in der Einbildung festzuhalten, als er schon wirklich in Staub zerfallen war. Im Anfänge des dritten Jahrhunderts wurden die bis dahin gelehrten und gangbaren Gesetzesauslegungen und Anordnungen für alle 1*

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