Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 1-2 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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s welche Jehovah sein Eigenthum nannte, von ihren Sünden entsühnte und zur Stätte seiner heiligen, gnadenreichen Gegenwart unter den Menschen erwählt hatte. Darum war es das furchtbarste Verhängniß für Israel, wenn es nun aus dem Lande seiner Väter vertrieben blieb; denn damit trat für dasselbe eine Zeit ein, von welcher der Prophet Hosea sagt, daß in derselben sein Volk weder die Gottesgemeinde noch eine götzendienerische Nation gleich den übrigen Heiden sein werde. Eben daraus können wir uns auch die entsetzlichen Anstrengungen der Juden unter Bar Cochba um 120 nach Christo ihr Land wieder zu gewinnen erklären: es war für sie ein unerträglicher Gedanke, daß Gottes Volk thatsächlich verworfen sein sollte. Man fühlte noch den ganzen Stachel des Gerichts, man verschwieg stch noch nicht die Thatsache „ohne Canaan kein Israel," man gestand es sich noch „ohne Gottes Land kein Gottes Volk. “ Als aber alle Anstrengungen der Juden die Rückkehr zu erlangen sich vergeblich bewiesen, als die Jahrhunderte sich zu breiten begannen und das Exil kein Ende nehmen wollte, da suchten die Herzen einen anderen Trost. Sie wollten von dem Gedanken nicht lassen, daß sie auch jetzt noch die rechte, wahre Gottesgemeinde seien und dem Gericht der Verwerfung wenigstens seine unerträgliche Bitterkeit nehmen. Gottes Heimsuchung trieb sie nicht zur Erforschung des Grundes, welcher sie von dem Erbe der Väter .fern hielt; nicht daran dachten sie, das zu suchen, was zwischen ihnen und Gott läge, um es hinwegzuräumen, sondern daran, wie sie dennoch, trotz der Verbannung, Gottes auSerwähltes Volk bleiben und nach wie vor als die einzige Gemeinde derer, welche frei vom Götzendienst daständen, erfunden werben könnten. Es kam nun darauf an ein ideelles Canaan einstweilen in der Fremde herzustellen, bis als Lohn der erwiesenen Gottesfurcht daS wirkliche Canaan ihnen wieder geschenkt würde. Gedanken und Bestrebungen dieser Art waren es, welche die Fixirung eines Gesetzes unter den Juden herbeiführten, das aller Orten in gleicher Weise ihr Leben ordnen sollte. Dieses Gesetz war das mündliche Gesetz der jüdischen Tradition, die nunmehr im Talmud schriftlich niedergelegt wurde.