Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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191 sittliche Gefühl sich mit Widerwillen abwendet, und die ernster gerichteten Naturen unter den Juden werden nicht lange an den Werken beider Männer Gefallen finden. Sind die Juden fast durchweg in ihren Leistungen auf dem Gebiet des Culturlebens Schüler christlicher Meister, so soll ihnen damit doch kein Vorwurf gemacht werden. Die Gaben sind verschieden vertheilt, und die mannigfachen Glieder der einen Menschheit sollen gerade darin, daß sie auf einander gewiesen werden, um sich zu ergänzen, ein Band des Zusammenhangs erkennen. Die auf das Praktische sich wendende Richtung der Juden lehrt sie mit besonderer Schärfe und Sicherheit die Wege finden, um dem Leben, wo sie auch wohnen, gerade das abzugewinnen, was es überhaupt daselbst bieten kann. Das Kapital, die Presse und eine rege Betheiligung an dem politischen Zeitleben, die Mittel also, welche die geeignetesten sind eine sichere und nicht beengte, sondern vielmehr leitende und feste Stellung in der Gegenwart einnehmen zu lassen, haben besonders das Augenmerk des jüdischen Volksstammes auf sich gezogen. Mit welchem Erfolge ist bekannt: ist doch fast die gesammte Presse Wiens und ein sehr bedeutender Theil der Berliner in den Händen von Israeliten, davon zu geschweigen, daß beispielsweise die Häuser der ersten Straße in Berlin „Unter den Linden" bald mit nur wenigen Ausnahmen in ihrem Besitz sich befinden werden, und an den jüdischen Festtagen eine der festländischen Börsen nach der anderen die Geschäfte feiern lassen muß. Die eigentliche Freude am Schaffen, am Dichten, am wissenschaftlichen Suchen und Finden, welche z. B. die Deutschen in so hohem Grade charakterisirt, findet man, wie gesagt, nur selten unter den Juden. Der Ertrag unter dem Volk, in der Zeit, an dem Ort,- wo sie leben, ist viel mehr der leitende Gesichtspunkt. Daher das lebendige Ergreifen aller Bildungsmittel von Seiten der Juden in der Gegenwart, nachdem die Schranken gefallen sind, welche ihnen nur durch Anhäufung des Kapitals Macht und Einfluß in ihrer Umgebung auszuüben gestattet haben. Denn es ist eigenthümlich, daß, nachdem einmal das Volk eine centrale Bedeutung für alle Völker in dem ihm von Gott zugetheilten Beruf erhalten hatte,