Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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190 f. man bei einer verhältnißmäßig großen Anzahl von Juden antrifft. Doch ist diese Begabung eigenthümlicher Art: sie zeigt sich als ein schnelles Erfassen des Dargebotenen, viel weniger tritt sie in eigenem Schaffen hervor. Denn mit Recht ist darauf hingewiesen worden, daß, obgleich die Juden sich seit etwa 50 Jahren in allen Gebieten des Culturlebens versucht und vielfach nicht Unbedeutendes geleistet haben, hier dennoch bei ihnen keine Originalität zu finden ist. Sowohl in den Wissenschaften als in den Künsten erscheinen sie vorzugsweise lernend, nachahmend und nachbildend. Die jüdische Originalität, wie Grau in seinem Werk „Semiten undJndogermanen" mit vielen richtigen Bemerkungen, wenn auch hier und da einseitig, darauf hingewiesen hat, liegt durchaus auf dem Gebiete des Religiösen. Die Ausbildung des natürlichen Lebens und die Entfaltung der natürlich menschlichen Fähigkeiten hat sich als eine besondere Gabe der japhetitischen, der europäischen Culturvölker herausgestellt. Die Allg. Zeitung des Judenthums will das nicht gelten lassen, sondern beruft sich darauf, daß ein Urtheil nicht zu fällen sei, weil die eigentliche Cultur der Juden erst 50 Jahre alt wäre. Wir finden aber, selbst abgesehen davon, daß in der höchsten Blüthezeit des Volks Phönicier beim Tempelbau Salomos behülflich sein müssen, einerseits, daß die Israeliten in den Jahrhunderten der Zerstreuung unter den antiken Völkern durchaus nicht eine führende Stellung in der Culturbewegung nach dem Verhältniß ihrer Seelenzahl einnehmen, und andererseits, daß auch jetzt, nachdem den Juden die Möglichkeit gegeben ist an allen Zweigen des Culturlebens sich zu betheiligen, sie mit Vorliebe da eintreten, wo es gilt das Vorhandene oder Gegebene praktisch zu verwerthen und im eigenen Interesse dienstbar zu machen. Bei dem vor Allem auf die möglichste Benutzung des Gegenwärtigen gerichteten Wesen der Juden fehlt ihnen im Allgemeinen die stille Ruhe des Sichversenkens und daher auch des künstlerischen Schaffens oder Bildens. Wie deshalb auf dem Gebiet der plastischen Kunst die Juden sich keineswegs hervorgethan haben, so bemerkt man sie auch nicht häufig auf dem der weltlichen Dichtkunst. Börne und Heine, unter den deutschen Dichtern jüdischer Abstammung namhaft, verfolgen eine Richtung, von der trotz der Begeisterung, welche Prutz für dieselben erwecken möchte, das