Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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193 das Streben nach einer überall geltenden Stellung den Juden verblieben ist. Kann es nicht mehr auf dem religiösen Gebiet geschehn, so sucht ein unbestimmter Drang auf anderen Wegen das Ziel zu erreichen. Daß der Strom eben damit in falsche Bahnen geräth, merken die Juden nicht, und werden es auch erst dann inne werden, wenn die Erfahrungen des Lebens mit ihrem nicht zu verkennenden Ernst und ihrem blutigen Stachel für die Herzen es gelehrt haben werden. Da nun aber dieses Strebeir bestimmenden Einfluß auf ihre Umgebung zu üben die Juden charakterisirt, so finden wir, daß, trotz aller religiösen Unterschiede der jüdischen Parteien, sie ohne Ausnahme darin immer mehr und mehr eins werden keinem Gebiete fern zu bleiben, welches ihnen die Erreichung dieses Ziels in Aussicht stellt. Die jüdischen Zeitschriften sehn es als eine Hauptaufgabe an ihren Volksgenossen zu berichten, was in dieser Beziehung schon erreicht sei, und welche Schritte zu thun sind, um alle Hindernisse, die etwa noch vorhanden sind, zu beseitigen, dagegen aber überall, sei es im politischen oder im bürgerlichen Leben, eine mitentscheidende Stellung einzunehmen. Gerade deshalb finden wir die Juden mit geringen Ausnahmen auf Seiten derer, welche den eigentlichen Schwerpunkt in dem staatlichen Gebiet auf der Selbstbestimmung der großen Menge gegenüber den einzelnen Personen der Obrigkeit ruhen lassen wollen. Mit besonderer Vorliebe betonen es die jüdischen Blätter, ohne auf die Unveränderlichkeit des mosaischen Gesetzes zu achten, daß die israelitische Staatsform eigentlich den republikanischen Charakter getragen habe. Wiewohl bis ins Einzelste das ganze jüdische Leben unter ein für alle Mal festgesetzten göttlichen Ordnungen sich bewegte, ist es doch zum förmlichen Dogma der Juden heutiges Tages geworden, daß die constitutionelle Selbstbestimmung ihre staatlichen Verhältnisse geregelt habe. (Fortsetzung folgt.) Dieses Bl. erscheint jährlich in 8 bis 10 Heften, zusammen 12—14 Bogen. Preis für den Jahrgang 10 Sgr. Zn Commission: Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von C. H. Storch und Comp, in Breslau.