Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Die Zahl der Anbeter, welche auf türkischen Teppichen, die den ganzen Fußboden bedeckten, saßen, war sehr klein. Ich glaube, daß die ganze Anzahl der karaitischen Einwohner Jerusalems sich auf etwa 10 Familien beläuft, aber ich zählte nur 7 Personen anwesend; eine derselben war eine Frau. Die Gebete wurden in einem näselnden Tone gelesen und gesungen, und die ganze Verrichtung des Gottesdienstes erschien kalt und matt. Bei unserem Eintritt nahmen wir unfern Platz dicht an der Thür, aber nach einer kleinen Weile gingen wir weiter vor bis dahin, wo der Rabbi die Gebete verlas. Bei unserer Annäherung verließ die oben erwähnte Frau, die auf einer Bank saß, welche von der des Rabbi durch einen Chorgang getrennt war, ihren Sitz, und der Rabbi bat uns daselbst uns niederzulassen. Nach dem Schluß des Gottesdienstes führte mich mein Lehrer zu dem Rabbi, der mich höflich willkommen hieß und mir die Hand reichte. Wir begleiteten ihn die Treppe hinauf in dem nämlichen Hause, in welchem die Synagoge gelegen war, zu seinem Empfangszimmer. Die karaitischen Juden sind äußerst reinlich, haben reine Häuser und reine Kleider. Nachdem wir uns gesetzt hatten, kamen wir bald in eine Unterhaltung über verschiedene Gegenstände. Nach einer kurzen Zeit brachte uns ein Freund des Rabbi, der auch zugegen war, eine Schüssel mit Wasser und Süßigkeiten. Als wir die Erfrischungen zu uns genommen hatten, fingen wir unser Gespräch wieder an, welches sich bald in eine lebhafte Disputation über das Alles in sich schließende Thema von dem Messias, dem Versöhner der gefallenen Menschen, verwandelte. Der Rabbi gab uns seine Ansicht hinsichtlich des Messias, aber war außer Stande auseinanderzusetzen, in welcher Weise der große Wechsel in dem Verhältniß zwischen Gott und Menschen, von dem wir gesprochen hatten, geschehn sollte. Er äußerte, daß der Messias eine vollkommene Erkenntniß Gottes offenbaren sollte, und durch Reue und Bekehrung würden die Nationen der Erde Annahme bei Gott finden. Aber auf unsere Hinweisung, daß nach dem mosaischen Gesetz die Erfvrderniß eines die Sünde sühnenden Opfers noch in Kraft bleibe, wußte er nicht zu antworten. Gegenüber unserem Bekenntniß zu dem zweiten Adam, durch dessen Gerechtigkeit wir gerecht werden könnten, wie wir durch den ersten Sünder geworden sind, blieb