Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 ernst. Er bewillkommnete uns herzlich und bat mich an seiner rechten Seite mich niederzulassen. Nach einigen in hebräischer Sprache gegenseitig geschehenen Höflichkeitsäußerungen kamen wir in eine freundliche Unterhaltung über religiöse Gegenstände. Da er mir als ein Glied der karaitischen Gemeinde vorgestellt war, srug ich ihn über den Unterschied des talmudischen und des karaitischen Begriffes vom Messias. Er antwortete, daß beide in dem Glauben übereinstimmten, der Messias solle erst noch kommen, aber bezüglich der heiligen Schrift glaube er wohl an das ganze Alte Testament, verwerfe dagegen den Talmud als ein Menschenfabrikat. Ich bemühte mich ihm zu zeigen, daß die nämliche Schrift, an die er nach seiner Aussage doch glaube, von einer zweifachen Ankunft des Messias rede, und führte ihm mehrere messianische Stellen an, welche von dem Zweck und Absicht der Zukunft des Messias handeln, wobei ich Gelegenheit hatte ihm einige der Fundamentallehren des Christenthums auseinanderzusetzen. Er wiederholte laut jede Stelle,.die ich ihm aus der Schrift vorlas. Als ich ihm von meinem Werk in Jerusalem erzählte und daß ich eine Zeit lang die Stelle des verreisten Mr. Bailey ausfüllen sollte, sagte er zu meinem Erstaunen, er wünsche seinen Knaben in meine Schule zu schicken, bedaure aber cs jetzt seiner Jugend wegen noch nicht thun zu können. Beim Abschied bat er mich am Sabbath ihn zu besuchen und dem Gottesdienst in ihrer Synagoge beizuwohnen, die, wunderlich genug, unter der Erde angelegt ist, mit Anspielung an das Wort des Psalmisten „aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir." Dem vorher getroffenen Uebereinkommen gemäß gingen wir auch um 8 Uhr des Sabbathö in die karaitische Synagoge. Bei unserer Ankunft war der Gottesdienst bereits angegangen. Doch traten wir ein oder stiegen vielmehr die zahlreichen Stufen hinab, welche zu dem unterirdischen Gebäude führten, in dem die Karaiten ihre Andachtsübungen vollbringen. Die Synagoge war klein und einfach. Ihr Schmuck sehr gering: zwei Kandelaber von Glas und einige Lampen ohne Schönheit hingen von der Decke herab, und zwei Tische oder Altäre, deren einer mit reichem Seidenzeug, das mit Gold verbrämt war, bedeckt erschien, waren das ganze Mobiliar des Gebäudes. Hebräische Inschriften schmückten die Wände an verschiedenen Stellen.