Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Paradies der Ruhe Gottes ist, und wie ste alle zusammenlaufen oder wie sie gerade gezogen werden müssen, um schließlich in die eine Straße hineinzumünden, dazu reicht kein Menschenblick aus, sondern allein der Blick dessen, der Alles auf einmal überschaut, der Anfang und Ende in seiner Hand hat, und die Fäden alle so verwebt, daß schließlich ein Gewebe heiliger, unnachahmlicher Kunst vor den Augen der ganzen Welt erscheint. Den „ Sinn des Herrn", welcher die geringsten Einzelheiten in dem millionenfach verschlungenen Leben der ganzen Menschheit an jedem Tage gerade so und nicht anders ordnet, kann „Niemand erkennen." Auch der Verständigste und Weiseste und Heiligste geht bei dem Allermeisten vorüber und merkt ihm den heimlichen Grund nicht an, er überblickt dazu ja nur einen verschwindend kleinen Kreis und seinem Auge sind überall Schranken gesetzt. Darum ist auch Niemand Gottes Rathgeber gewesen. Am Dreinreden der Herzen hat es freilich nie gefehlt: wir haben Alle geseufzt und geklagt und gemurrt bei dem, was für den Augenblick unser Wohlgefallen nicht fand; wir haben Alle gemeistert, die Einzelnen wie das ganze Israel und die große Zahl der Völker, aber wir haben es so nur recht deutlich an den Tag legen müssen, daß der Friedensrath Gottes sich ganz ohne unser Zuthun vollzieht. Nur arm und elend stehn wir Gott gegenüber; wir haben ihm nichts gegeben, das Gott mit Lohn erwiedern müßte. Unser Leben ist ganz sein Plan; unsere Tage wie unsere Jahre sind ganz sein Geschenk; unsere Führung ganz seine Liebesarbeit: der Dank ist unser, nicht Gottes. Der Lohn gebührt Gott und nicht uns; der Lohn aber, welcher Gott zukommt, ist unsere Anbetung im Staube. Denn der Grund und Ursprung und Anfang aller Dinge ist Gott: „aus ihm oder von ihm sind alle Dinge," die Mitte ist auch sein: „durch ihn sind alle Dinge," die Bahn, welche sie durchmeffen, ist von ihm angelegt, der da weiß, wohin der Rath seiner Liebe sie führen will; das Ziel ist auch seiner Hände Werk allein: „zu ihm sind alle Dinge,"