Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 11-12 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Gott gerade hat es so geordnet, daß vielen der süßen Früchte, welche schön aussehn und klug zu machen verheißen, ihr Gift innewohnen muß, und daß sie, kaum im Rausch genossen, plötzlich die Augen öffnen, um nichts als Blöße und Schande zu sehn, welche den Staub wieder zum Staube ruft. Aber die Ruthen Gottes, so weh sie thun, denn sie vermögen bis in's innerste Mark hindurchzuschlagen, sind dennoch Ruthen eines Vaters. Bei Zeiten soll der Mensch bis auf den Tod durch diese Ruthen verwundet werden, damit er, ehe ihn noch der Tod hinwegrafft, die Arme ausstrecken lerne nach dem, welcher vor dem ewigen Tode bewahrt und wieder zum Leben erweckt. Es ist die Hand eines weisen Arztes, die hier wehe thut; sie schneidet tief in's Fleisch, aber nur, um den ganzen Menschen zu retten. Die Barmherzigkeit ist es, welche an allen den Kerkerthüren gelesen werden will, hinter denen das heutige Israel Gefangenschaft leidet, leider freilich so, daß es oftmals weder die Gefangenschaft noch die Barmherzigkeit spürt. Die Barmherzigkeit ist es ebenso, welche bis auf die Tage Christi, und wiederum mit gleichem Ernst, mit gleicher Eindringlichkeit seit dieser Zeit den Heiden oder den Christen aus den Heidenvölkern ihre Sünden zu Geißeln gemacht hat. Die Barmherzigkeit ist es, welche beide, die Juden und die anderen Völker bis an den Rand des Abgrunds gerathen läßt, ja bis an denselben heranführt, um den Ungläubigen und Sicheren und Trotzigen und Verblendeten die Tiefe unter ihren Füßen vor Augen zu zeigen und darauf noch einmal die so lange ausgeschlagene Hand der Rettung darzureichen. Barmherzigkeit ruft es aus allen Blättern der Geschichte, Barmherzigkeit aus jedem einzelnen Menschenleben, Barmherzigkeit aus dem Leben eines jeglichen Volks. So weit ist der Apostel gekommen. Die Barmherzigkeit des Gottes, welcher der Vater Jesu Christi ist, tönt ihm entgegen von dem Anfang der Zeiten; die Barmherzigkeit hat sein Auge geleitet recht zu sehn in allen Wegen der Geschichte Israels und der Geschichte seiner Tage; die Barmherzigkeit hat ihn ganz und gar mit ihrer seligen Macht dahingenommen. Darum beugen sich nun seine Kniee, und sein Mund redet Worte, wie nur wenige in gleicher Tiefe der Anbetung 12