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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 11-12 (1868) · page 16

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Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
11-12 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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176 spricht: „ihr habt über dem Ungehorsam der Juden Barmherzigkeit überkommen." Aber dieselbe Barmherzigkeit wird sich in Zukunft an Israel kund thun, sobald es Gehorsam leistet, sobald es auf die Stimme des Evan-! geliums hört. Vergebung und, will man es so nennen, das rechte Hirtenamt dazu wird ihm alsdann zu Theil werden: entsprechend der zwiefachen Gnade, welche vor Israel im Reiche Christi die Heiden« völker erlangt haben. Daher ist denn der Schluß des Apostels Vers 32: „Gott hat Alles unter den Unglauben beschlossen, daß er sich Aller erbarme." Den Ungehorsam gegen seinen Willen und sein Wort hat Gott den Juden sowohl als den Heiden zum Gefängniß und zu Ketten gemacht, welche sie in Banden halten müssen. Sie sollen seinem Liebesrath nicht Widerstand leisten dürfen, ohne dafür zu erfahren, daß sie in Knechtschaft leben. Ihr Ungehorsam, ihre Augen- und Fleischeslust und hoffährtiges Wesen sind zu ihren Tyrannen und Kerkermeistern gemacht worden, daß sie unter den Schlägen derselben es verspüren möchten, wie so lange sie im Elend sich befänden, so lange sie ihre eigenen Wege gehen wollten. Der Kerker aber sollte ihre Schule werden; sie sollten es in demselben lernen, daß sie mit ihren Lüsten und Begierden und Eigenwillen doch nur ihr Leben haßten. Unter solcher Zucht zusammengehalten, unter solcher Erfahrung mit allen ihren Zeiten zusammengeschlossen, sollten sie der Stimme Gottes das Herz aufthun lernen. Die Flüchtigkeit und Nichtigkeit alles mit heißem Sehnen auf Erden Erstrebten, der Knechtödienst unter der beständigen Furcht des Todes — dies, daß sie Sklaven einer Welt des Staubes wären, deren Leere und Hohlheit sie immer wieder zu schmecken bekommen müßten, ohne doch von ihren Banden sich selbst lösen zu können — das Haschen und Jagen nach alledem, was die Sprache schön oder groß oder ehrenvoll oder genußreich genannt hat, und dann durch Alles dieses hindurch, wenn es die Hände eben festhalten wollen, der tiefe Riß des Todes — ja dies in's Gesammt sollte die Seele inwendig daniederbeugen, inwendig mit dem Gefühl und der Erkenntniß des menschlichen Elends erfüllen.

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