Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554765-2554771--05005-2560950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 1 söhnung mit Gott beim Verbleiben in -der alten Gestalt des äußeren Lebens, sondern ein Höheres soll die Annahme Israels für die Welt zur Folge haben. Von einer Steigcmng des Segens, der in den verschiedenen Phasen der Geschichte Israels auf die Welt ausgeht, spricht der Apostel. Darum ist Israel völlig das geworden, was es werden sollte, nämlich das heilige Volk, welches Gott sich erkoren hat seine Sache auszuführen und zwar nunmehr dieselbe zum Ende zu bringen, so muß auch der Gewinn, welcher zu der genannten Zeit auf die Welt ausgeht, dem entsprechen, er muß sein Vollmaaß erreichen. Nachdem aber die Welt schon dies erlangt hat, daß sie bei Gott in Gnaden steht, und nachdem sie das Recht empfangen die Gemeinschaft mit Gott in jeder Form des natürlichen Lebens zu erfahren, bleibt nur eins noch übrig: „Leben aus den Todten." Also ist es nicht richtig dieses Wort des Apostels in der Weise auszulegen, als ob damit gesagt wäre, Israel werde in jener Zeit wie von den Todten wieder erstehn. Denn nicht, was Israel zu Theil werden soll, sondern welchen Gewinn die Annahme Israels der Welt bringen wird, will Paulus hier anzeigen. Aber eben so wenig darf das Gut, welches mit der Bekehrung Israels der Welt gegeben wird, nur als ein geistliches gedeutet werden. Denn schon mit der Verwerfung Israels ist der Welt Versöhnung geschehen. Eine sogenannte Erweckung wäre immer nur das Erwecken des schon früher Empfangenen zur lebenbestimmenden Macht, und die Versöhnung bliebe mithin doch das empfangene Gut. Auch heißt es ja nicht, daß anfangs der Welt die Versöhnung nur angeboren, und erst mit der Bekehrung der Juden angenommen wäre, sondern ausdrücklich ist als Folge der Verwerfung Israels die Annahme, die wirklich vollzogene Versöhnung der Welt gemeint. Daß die Völker nicht alle auf einmal, sondern einzeln und nach einander und allmählig die Versöhnung sich schenken lassen, chut hierbei nichts zur Sache. Der Welt, welche mit der Verwerfung Israels die Versöhnung erlangt hat, soll hiernach mit der Annahme Israels auch ein höheres Besttzthum zu Theil werden, und allerdings ist in den Worten des Apostels „Leben aus den Todten" als Folge der Judenbekehrung die Auferstehung von den Todten gemeint.