Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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154 ändern, sondern mußte immer bis in die kleinsten Einzelheiten hinein die Art wiederholen, welche von den Vätern überkommen war. Hätte Israel das Christenthum angenommen, so wäre eö für sein natürliches Leben von den Schranken befreit worden, welche das Gesetz Mosis ihm auferlegt hatte, die anderen Völker aber wären genöthigt gewesen ihr Gottesleben im Anschluß an Israel und unter der Führerschaft desselben zu führen. Zur Gottesgemeinde hätten sie nur durch ihre Gemeinschaft mit Israel gehören können, wenn gleich die Ausbildung ihrer natürlichen Fähigkeiten und die Verwendung derselben zum allgemeinen Wohl in der neuen Gottesgemeinde ihre Sache geblieben wäre. Ein Vorbild dessen hatte ja die salamonische Zeit gebracht, wo der Tempel von Jerusalem und der Gott Israels in seinem jüdischen Heiligthum von Heiden ausgesucht wurden, diese aber ihre Gaben und Schätze und Künste in Israel als Gaben darbrachten und zum Besten des Gottesvolks verwandten. Daher ist es für die Welt allerdings ein „Reichthum" geworden, daß Israel vom Reiche Gottes abfiel. Die Welt d. i. die in ihrer Mannigfaltigkeit bestehende Ordnung der Dinge auf Erden, hat durch den Widerstand Israels gegen die Wege seines Gottes das Recht bebehalten in dieser Ordnung weiter zu leben, und so verschieden auch dieselbe in den verschiedenen Ländern der Völker sich zeigen mochte, dennoch trotz und mitten in dieser Verschiedenheit überall das Reich Gottes bei sich aufzunehmen. Der Welt verblieb ihre Selbstständigkeit. So viele Völker, so viele berechtigte Sitze oder Mittelpunkte des Gottesreichs gab es auch fortan, und einem jeglichen blieb es überlassen, wie es wollte, nach eigener Art die Form seines Gotteslebens, völlig unabhängig von allen andern, auszubilden. Die äußere Gestalt des Gottesreichs ist also eine andere durch die geschichtliche Thatsache des Widerstrebens Israels gegen das Christenthum geworden. Und den Gewinn davon haben die Völker oder die Welt gehabt, welche nunmehr nicht eine dienende oder, wenigstens nach der religiösen Seite betrachtet, vor Allem empfangende Stellung einzunehmen haben, sondern ein jegliches für seine Eigenart berechtigt wurden und in derselben sogar eines noch höheren Grades der Gottesgemeinschaft theilhaftig geworden sind als Israel vordem unter dem Gesetz Mosis.