Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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sollten. Frei und kühn dürfen die Christen unter den Kaisern Roms, frei und kühn aber auch Hernachmals aller Orten, wohin ihr Fuß tritt, die ganze Welt auffordern ihnen zu zeigen, was sonst je eine solche Macht zum Segen aller Völker geübt habe, als die Botschaft von dem Heilande, den Israel verworfen. Israel dagegen, das leugnet kein Jude, welcher an dem Alten Testamente festhält und die Verbannung von Canaan als ein schweres Gericht ansteht, Israel war besser in seinem ganzen Leben und Wesen während jener vergangenen Zeiten, wo es treu zu seinem Gott stand, als seit den Tagen Christi, von denen ab es seinem Lande und Erbe fern bleiben muß. Dagegen sind die Nationen, welche das Christenthum angenommen haben besser geworden gegenüber ihrer Vergangenheit. Hier also findet das umgekehrte Verhältniß statt. Sollte das nicht auch Israel aufmerksam machen? ist das nicht im Stande Israel zu „reizen" dem Christenthum sein Gehör zu schenken? Aber die Liebe Gottes, welche ihre Zeiten nicht nach menschlichem Maße bemißt, sondern Geduld hat und wartet, bis die Stunde gekommen ist, da auch die festeste Eisrinde schmilzt, wird noch weiter sich Israel mit ihrer Gluth aus dem Leben der Völker entgegenstrecken. In den Freuden und in den Leiden, in dem, was noch an guten Tagen bevorsteht, aber noch mehr in dem Unheil, welches darauf über die ganze wieder von Gott abtrünnige Welt'ergehn muß, wird sich die Kraft und der Halt und der allein Ruhe bringende Trost des Christenthums so mächtig in dem Leben derer aus den Völkern, welche am Kreuz ihre Freistadt suchen, erzeigen, daß Israels Augen dagegen sich nicht mehr werden verschließen können. Dann werden die Juden es erfahren, daß Lebensodem nicht aus den Goldschätzen oder der Ehre oder der Macht dieser Zeit, an denen sie sich doch jetzt erwärmen möchten, kommt; dann werden sie vergeblich auf Erden einen Ruheort suchen, denn die Zeit der Ruhe ist für alle Bewohner des Staubes vorüber; dann werden sie es schauen, daß allein in dem Heiligthum Jesu Christi noch ein wahrhaftiger Friedenshafen gefunden werden kann. Was die Herrlichkeit dieser Tage Israel nicht predigt, das wird viel eindringlicher seinen Herzen sich offenbaren, wenn es nun zu Tage