Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Allerdings erzählt die Geschichte genug davon, daß die Liebesmacht des ChristenthumS in vielen Stücken noch zu wenig die Völker überwunden hat, und eben deßhalb ihnen so oft auch die Liebe gegen die Juden fehlen konnte, ja in nicht seltenen Fällen der Haß sich ganz ungezügelt geltend machte. Aber der christliche Glaube verurtheikt aufs Schärfste alle diese Bedrückungen und all dieses Blutvergießen, welches Christen an Israeliten verübt haben; das Heidenthnm fand darin Gerechtigkeit und rühmte sich desselben. Von vielen Juden wird es heute auch ganz öffentlich ausgesprochen, daß wenn die christliche Liebe mit ihrer siegenden Gewalt überall durchbräche, Israel ein glückliches Loos unter den Völkern finden müßte. Daß gegenüber der heidnischen Selbstsucht mit ihrer Tyrannei der innerste Grund des Christenthums vielmehr die Liebe genannt werden muß, ist ja in der Gegenwart für diejenigen Juden, welche sich der Gerechtigkeit gegen die Neuzeit rühmen, nicht mehr eine falsche Behauptung. Und wenn es thatsächlich so weit gekommen ist, daß eine solche Erkenntniß in vielen Israeliten trotz des tausendjährigen Widerstandes ihres Volks gegen das Christenthum nicht bloß hier und da Platz zu greifen begonnen hat, sondern nach allem Ermessen, wenigstens in der vcrstandesmäßigen Beurtheilung der christlichen Religion, immer weiter unter den Juden greifen wird, so dürfte dies doch wohl Vertrauen zu dem Worte Pauli erwecken: „Das Heil ist den Völkern zu Theil geworden, um die Juden zu reizen." Jedes irgend wie edler denkende Herz erfüllt es ja mit Freude, wenn es einen Menschen zum Bessern sich wenden sieht, und man achtet den, welcher solchen Einfluß auf den Andern geübt hat, daß eine Verwandlung zum Heil mit ihm vorgegangen ist. Sollte darum aber nicht auch der Beweis, welchen das Christenthum geführt hat, die allerverschiedensten Völker sittlich neu zu gestalten, ihm dieselbe Anerkennung verschaffen? Ueberall unter den gebildetesten und unter den ungebildetesten Nationen, unter den überfeinerten Römern und Griechen ebensowohl als unter den barbarischen Nationen Europas, Afrikas, Amerikas, Asiens, Australiens hat doch das Evangelium von Christo Lebensströme erweckt, welche jedes menschliche Herz zu ihm locken