Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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150 densten offenbart? Wir sprechen nicht von einem solchen Christenthum, das in äußeren Formen und in einem Cultus besteht, der zwar Lippenwerk ist, aber kein Erguß der Gemeinschaft mit Gott und seinem Heilande. Rein, in dieser Beziehung können uns vielmehr z. B. manche römisch - katholischen Staaten nur zum warnenden Beispiel dienen. Denn was von Israels letzter Periode vor der Zerstörung Jerusalems galt, daß eS äußerlich sehr fromm, aber in seinem Leben doch völlig gesunken und zerrüttet war, das gilt ebenso von allem Scheinchristenthum. Die Gerichte Gottes werden da sein Urtheil vor der Welt. Wenn dagegen die veränderte civilisatorische Gestalt, welche die Völker mit der Annahme des Christenthums aufzeigen, von den Gebildeten unter den heutigen Juden gerechterweise alö ein wirklich guter Einfluß des Christenthums anerkannt wird, sollte diese Erscheinung nicht zu den Herzen Israels sprechen? Sollte Israel nicht dadurch sich bewegen lassen einen Vergleich mit dem eigenen Geschick, welches es durch die Verwerfung Jesu Christi erfahren hat, anzustellen? Der doch ganz offenbare Vollzug der Gerichte über Israel: Gerichte, welche Paulus als im Anfang begriffen schon zu seiner Zeit predigt, und die heute vor Aller Augen daliegen, nämlich die Zerstörung des Tempels, die Vertreibung des jüdischen Volks aus seinem Lande und die Zerstreuung desselben über die ganze Erde, das Alles sollte angesichts dessen, wie das Christenthum die anderen Völker gefördert hat, um so tiefer seinen Stachel in Israels Herz einsenken. Wir haben es hier freilich nicht mit der neumodischen Lehre etlicher Juden zu thun, daß die Vertreibung aus Palästina für ihr Volk ein Glück gewesen sei, denn auf diese Weise erklärt man es ganz offen, daß die auf fremdem Boden gesammelten Reichthümer viel besser seien als in der Gemeinschaft Gottes zu leben; wir haben cs hier mit dem Israel zu thun, welches sich die Predigt wenigstens noch sagen läßt, daß über dem goldenen Kalbe Jehovah und sein Erbe flehe. Aber wir kehren darauf zurück, daß aus dem veränderten Leben, welches die Nationen durch Jesum Christum führen gelernt haben, die Heil schaffende, ewige Liebe Gottes sich hervordrängt und sich also gern auch den Herzen Israels kund thun möchte.