Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Man hatte dem Apostel wohl zu verstehn gegeben, daß der Gott, welchen er im Namen Jesu Christi lehrte, nicht mehr der Gott ohne Wechsel und Wandel sei. Man hatte klugerweise als einen Vorwurf für Gott darzustellen sich bemüht, was Paulus von der Verwerfung Israels predigte. So verstand man die eigene Schuld zu verdecken und sich vielmehr in seiner Feindschaft gegen das Evangelium als Eiferer für die Ehre Gottes darzustellen. Man rief aus „es reime sich nicht mit der Gerechtigkeit Gottes auf ein Mal das Volk zu verwerfen, welches er doch seit so vielen Jahrhunderten seine Auserwählten genannt habe." Die Liebe Gottes, das zeigt dieser Heuchelei gegenüber der Apostel, bleibt jederzeit, wenn auch Israel durch eigene Schuld der Erfahrung derselben widerstrebt. Ja die Liebe Gottes ist so groß, daß nicht einmal Israels Widerstand sie verhindern kann dennoch ihre Macht zu beweisen. Israel hat sein Herz gegen die göttliche Liebe verschlossen; dafür macht dieselbe sich auf ihre unwandelbare Inbrunst an den Völkern zu beweisen, die nichts bisher von ihrer Macht gewußt haben. Das Heil wird nunmehr zu den Völkern gebracht. Die zahlreich über die ganze Erde ausgebreiteten Völker oder Heiden, welche bisher nur in Israels Mitte etwas von dem Reiche Gottes erfahren konnten, dürfen jetzo Boten desselben bei sich selbst einkehren sehn und hören, wie ihnen als freies Geschenk die Kindschaft in diesem Reiche dargeboten wird. Mit dem Falle Israels ist eine Zeit eingetreten, wie sie vordem auf Erden nicht erhört war. So viele Völker, so viele Religionen auch und eben so viele Gottheiten der eigenen Erfindung hatte es bis dahin gegeben, aber das Wort der Wahrheit, welches in dem kleinen Israel seit Jahrhunderten unaufhörlich laut geworden war, hatte dieselben nicht ausgesucht, hatte sich auch den mächtigsten Nationen nicht verkündigt. Nun ist es mit einem Male anders geworden. In allen Sprachen und Zungen wird es einem jeglichen Volk an seinem Ort plötzlich gepredigt, daß allen Menschen in Christo Jesu ein Heil bereitet sei, und daß es für alle gleichermaßen durch diesen Heiland eine Erlösung von der Macht der Sünde