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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 9-10 (1868) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
9-10 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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147 Aber dieselbe Schrift, welche einen Paulus lehrt so ernst von dem Israel seiner Tage zu reden und so schwer der Zustand desselben zu beurtheilen, wenn eS dem Davidsohne Jesus Christus widerstrebt, hat ihm Lichts genug über die Nacht der Gegenwart hinaus die Zukunft zu erhellen. Ass wäre es nicht genug gewesen, daß er sogleich im Anfang des Capitels mit der Thatsache seiner eigenen Erwählung und mit der anderen einer, wenn auch noch so kleinen, Christengemeinde aus Israel die völlige Verwerfung des jüdischen Volks zurückgewiesen, hebt er noch einmal, durch die Schwere der augenblicklichen Gegenwart dazu veranlaßt, mit der Frage an: „sage ich nun, sind sie gestrauchelt, damit sie fallen?" (d. h. im Fall liegen bleiben sollen). Es könnte ja ebenso wie zur Zeit des Propheten Jesaia den Anschein haben, als sei es nunmehr aus mit Israel, nachdem Gott, sein Gott, es selbst preisgegeben hat. Aber Niemand soll den Apostel anklagen, als ob die ernsten Worte über sein Volk ohne die Liebe wären, welche sich des Wiederaufrichtens der Gefallenen freut. „Nimmermehr," so weist er die sich selbst gestellte Frage ab: sein ganzes Herz empört sich gegen den Gedanken des bleibenden Falles Israels — und wie ungerecht sind also die aus dem jüdischen Volk, welche einen feindlichen Sinn gegen ihre Nation in den Bekennern der christlichen Wahrheit annehmen. Ja es gibt freilich auch in der Christenheit ein Bekennen, welches ohne Erbarmung ist, aber den Apostel, der sich mit solcher Freude der Abstammung aus Israel rühmt, trifft dieser Vorwurf nicht. In den Wegen der Gerichte Gottes steht er dennoch die nach vorwärts eilende Liebe und deckt dieselbe auf, also die Abtrünnigen zu locken. Denn beides soll in seinen Worten recht vertheilt sein: der Ernst, welcher die Ruthe gebraucht, und die Barmherzigkeit, welche den Gezüchtigten die helfende Hand darreicht. Daher fährt nun der Apostel fort V. 11: „Sondern durch ihren Fall ist den Völkern das Heil zu Theil geworden, um sie zu reizen." Auch in der Verstockung und augenblicklichen Verwerfung Israels muß dennoch die Liebe Gottes das Höchste bleiben — die Liebe Gottes hört ja nimmer auf. 10*

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