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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 9-10 (1868) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
9-10 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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143 „Wenn aber aus Gnaden, so geschieht es nicht mehr aus dem Verdienst der Werke, sonst würde die Gnade nicht mehr Gnade sein; wenn aber aus dem Verdienst der Werke, so hat die Gnade nicht mehr Statt, sonst wäre das Werk nicht mehr Werk." Zu solchen Worten steht sich der Apostel durch den selbstgerechten und stolzen Sinn seines Volks veranlaßt. Er nimmt jede Gelegenheit wahr dieser an Israels Herzen fressenden Sünde entgegenzutreten und immer wieder einzuschärfen, daß nichts als die Gnade und die auf derselben beruhende freie Wahl Gottes auch unter Israel herrsche. Je mehr sich das jüdische Volk aus dem, was der Rath Gottes in eigener freier Liebesthat geschichtlich geordnet, einen Selbstruhm machte, je mehr es sich eigene Vorzüge zuschrieb, um derentwillen es Gottes Volk sei, je mehr es Gott gleichsam zwingen wollte in Israel nur seine Gemeinde zu haben, desto mehr macht Paulus die Freiheit der „Wahl" oder Selbstbestimmung Gottes geltend. Damit aber zeigt er am Deutlichsten, daß auf Seiten der Menschen nichts liegt, was Gott mit der Berufung zu seinem Reiche belohnen müßte, sondern daß alle Gemeinschaft mit Gott vielmehr einzig in der freien Selbstentscheidung desselben ihren Grund und Ursache hat. Darum ist denn freilich unter dem Wort „Wahl" oder „Auswahl" nicht die sogenannte Prädestination zur Kindschaft Gottes und zum ewigen seligen Leben der Einen oder auch zur Verstockung und ewigen Verdammniß der Anderen zu verstehn. Der Apostel will ja nicht geltend machen, daß aus der großen Menge der zur ewigen Verdammniß Verurtheilten eine kleine Zahl herausgelesen wäre, denn mit dem ewigen Leben der Seligen oder dem ewigen Tode der Gerichteten hat das Wort „Auswahl" gar nichts zu thun. — Sondern allein dies soll Israel erkennen, daß der göttliche Rath Gnade zu üben jene 7000 sich behalten und sie aus der großen Menge des Volks erwählt habe, um dennoch durch sie sein zeitliches Werk auszuführen. Die Gnade Gottes, welche die 7000 annahmen, während die anderen Juden sie verachteten, hat diese kleine Schaar als weitere Grundlage für ein wahrhaftiges Gottesvolk erhalten, aber eben der Gnade allein hatten auch diese 7000 es nur zu danken, daß Gott sie als Werkzeuge zur Ausführung seines Raths erwählt oder angenommen hat. Man sieht

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