Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 oder seine Gnade ihm anpreisen, mag er es erhöhn oder es zur heilsamen Zucht unter dem Joch erhalten. Weil Elias, der Prophet, das Trugbild Gottes, welches das Israel seiner Tage sich gemacht, zertrümmerte, hieb das Volk die Altäre des wahrhaftigen Gottes nieder. Und weil Jesus Christus sammt seinen Aposteln ihrem Volk das Bild seines Hoffahrtsgottes, der allein Israels Stolz und Trotz zu nähren hatte, stürzen wollten, statt desselben aber ihm den Gott predigten, welcher, wie Jesaias sagt, seinen Knecht, nämlich Jesum als Schuldopfer für die Sünde der ganzen Gemeinde hingegeben, darum verstieß die große Mehrzahl der Juden die Zeugen der Wahrheit. So also gestaltet sich von Neuem die Gegenwart Israels, und das ist der Ernst derselben. Aber über diesem Ernst und seinen Mahnungen zur Buße vergißt doch Paulus nicht die Liebe, welche den Ernst recht heiligt und eben dadurch zur eindringlichsten Predigt wird. „Es sind mir 7000 übrig geblieben, welche ihre Kniee nicht dem Baal gebeugt haben," sagt er, und will das Wort auch auf die Tage Israels, in denen er lebt, angewandt wissen. Mag die Gegenwart Israels noch so traurig aussehn, sie ist nicht ohne Grund der Hoffnung. Mag auch die Erscheinung des Volks eine allgemeine Gottentfremdung zeigen, für das Auge, das Alles steht und weiter dringt als der kurzsichtige Menschenblick, ist immer noch mitten unter dem abtrünnigen Geschlecht ein anderes vorhanden, welches die Gegenwart mit einer besseren Vergangenheit und einer trostreicheren Zukunft verbindet, so daß Gottes Weissagungen und Verheißungen ihren Knechten schon in der Gegenwart eine Bürgschaft und ein Unterpfand darbieten. Ein „Ueberblieb nach der Auswahl der Gnade" wird dieses Geschlecht genannt. Nicht als ob die Willkühr Gottes eine kleine Zahl erkoren hätte, um an ihr Barmherzigkeit zu erweisen, während sie gegen die Anderen die verdiente Strenge walten läßt; das hieße den Gott, welcher die Liebe gegen alle Menschen ist, in seinem Wesen verwandeln. Wird von einer „Auswahl der Gnade" geredet, so soll damit, wie auch die nachfolgenden Verse beweisen, nur dies ausgesagt sein, daß auch der „Ueberblieb" nicht seinen Werken, sondern allein der Gnade die Erwählung zu danken habe. Der Apostel fährt nämlich fort V. 6.