Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 9-10 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 mehr gerade dieser allein von der Erfüllung des durch Israels Propheten Verheißenen ausgeschlossen sein? Die Lösung dieses Räthsels gibt am Gedrängtesten der Heidenapostel Paulus im 11. Capitel seines Briefs an die Römer. Denn hat auch zu seiner Zeit bereits das Gottesreich festen Fuß in der Welthauptstadt Rom gefaßt, und bezeichnet es die eigenthümliche Lage für die nächsten Jahrhunderte, daß in dem Mittelpunkt der Erdenreiche das Königthum des von den Juden verworfenen Messias anbetenden Gehorsam zu finden begonnen hat, so fordert der Apostel doch das rechte Verständniß für diese Thatsache. Die Wahrheit der Schrift soll durch dieselbe nicht umgestoßen werden, und die heidnischen Nationen, welche jetzt in den Besitz der Heilsgüter treten, sollen nicht der Sünde Israels sich schuldig machen, nämlich hoffährtig über die erfahrene Gnade zu werden und darum auf Israel herabzublicken, als ob fortan seine Stellung für immer die niedrigere bleiben müßte. Sie sollen vielmehr Gott dienen in ihrem Beruf und wenn ihre Stellung einstmals im Lauf der Geschichte eine andere wird, auch diese als die göttlich ihnen zugewiesene erkennen. Den ganzen Verlauf der heiligen Geschichte läßtPaulus, derHeidenapostel aus Israels Volk, deßhalb in den wenigen Zeilen des 11. Cap. seines Römerbriefs überblicken und zeichnet diesen Verlauf nicht nach den eigenen Vermuthungen oder Speculationen, sondern danach, wie er von der Schrift gelehrt ist. Den Rath Gottes, wie er sich selbst^urch den Mund Mosis und der Propheten geoffenbart hat, bringt er den Christen aus der Heidenwelt wie den Juden zur Erinnerung, daß die Letzteren Buße lernen, die Anderen aber vor Selbstüberschätzung bewahrt werden, daß Israel in Christo die Treue und Wahrheit Gottes erkenne, die Heiden aber die Erbarmung anbeten mögen, welche sie selbst im äußersten Elend gesucht und nun gar begnadigt hat das ursprüngliche Gottesvolk zu ihrer in Christo gefundenen Seligkeit zu locken. So will Paulus seinem Volk, das er bei allen Begebenheiten jener Tage zur Selbstprüfung auffordert, jeden Anstoß aus der Entwickelung, welche Israels Geschichte seit der Erscheinung Jesu Christi genommen, hinwegnehmen und indem er ihm zugleich zeigt, wie über seiner Untreue dennoch die Gnade Gottes, die es sich nimmermehr ge-