Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 7-8 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Begebenheit in Bologna, da vor einigen Jahren ein jüdisches Kind heimlich und ohne Wissen seiner Eltern von einer katholischen Magd getauft und später auf Grund dieser Taufe den Eltern gewaltsam entrissen wurde, um im Christenthume erzogen zu werden. Wenn man also von „Mortarafällen" spricht und schreibt, die in der katholischen Kirche wieder vorgekommen sind, so will man dieser Kirche mit dieser Bezeichnung wieder das Verbrechen begangenen Kinderraubes zur Last legen und zugleich die Judenheit gegen das Christenthum und die Christenheit fanatisiren. Es wird uns gewiß nicht einfallen, eine Apologie für die katholische Kirche, ihre Klöster und ihre Handlungen schreiben zu wollen; aber wenn jüdische Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren oder gar verheirathete Personen aus ihren Familien Weggehen und in den Klöstern Zuflucht suchen und finden, weil fie angeben, sie wollen sich taufen lassen, kann man da, fragen wir, mit irgend einem Schein von Wahrheit und Redlichkeit von „Mortarafällen" reden oder von geraubten Kindern? Dies thut aber die „Allg. Zeit, des Judenth." in 2 Artikeln in Nr. 44 und 45 von 1867, welche Artikel die Ueberschrift tragen: „Die Mortarafälle in Galizien und die Verhandlungen des österreichischen Abgeordnetenhauses darüber" — und „Die Mortarafälle in Galizien" — und ebenso wird in Nr. 2 desselben Blattes von 1868 Seite 33 nach Mittheilung einiger Sätze „aus den Geheimartikeln des Concordats" von „noch neuerdings in Galizien vorgekommenen Fällen des Raubes von Judenkindern" gesprochen. Wird dagegen in jüdischen Blättern ein Uebertritt eines Juden oder einer Jüdin zur evangelischen Kirche erwähnt, so werden sofort auch „die säubern Herrn Missionäre" als „die Seelenhändler" und „Seelenräuber" eingeführt, die wieder ein jüdisches Individuum „abgesangen" haben. In Nr. 14, 15 von 1868 berichtet „der Israelit" sogar, daß „sich die Gemahlin des englisch-preußischen Bischofs, der Misstonsarzt und viele andere, von der Mission dazu veranlaßte einflußreiche Persönlichkeiten persönlich um die „„Abfangung"" des jüdischen Mädchens (Sarah Steinberg) die größte Mühe gegeben." Oder das Geld muß der Beweggrund sein, die Missionare sind erkauft, fie bekommen für jede solche „Abfangung" eine gewisse Summe; oder