Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1868-01-01 · 7-8 (1868) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
7-8 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554765-2554770--04962-2560906
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

116 haben nicht nur die stebenzig Aeltesten Israels u. s. w. wahrgenommen, sondern ganz Israel, nicht blos einmal am Berge Sinai bei der Gesetzgebung, sondern schon früher und auch später bei vielen Gelegenheiten. Der Herr kam oft hernieder in der Wolke zur Stiftshütte, und die Wolkensäule war immer eine Erscheinung des Herrn, und diese Erscheinung des Gottes Israels konnte und mußte jeder Israelit wahrnehmen. Nachdem so die israelitischen Bibelübersetzer den ersten Theil von V. 10 verstümmelt und gefälscht haben, thun sie es auch mit dem zweiten Theil. In unsrer lutherischen Bibel, wie auch in der von Zunz, heißt es genau nach dem Hebräischen: „unter seinen Füßen," d. i. des Gottes Israel; die israelitische Bibel sagt dagegen: „unter deren Füßen," also unter den Füßen der Erscheinung. Ob dies, um mit den Worten des „Vorworts" der israelitischen Bibel zu reden, „dem deutschen Sprachgeiste gemäß," oder ob cs „leicht faßliche Form bei sachlicher Treue," oder ob es „ästhetisches Gefühl" sei von einer „Erscheinung" mit „Füßen" zu reden, muß man den Revisoren und Superrevisoren der israelitischen Bibel überlassen. Jedenfalls dürsten diese Herren, die unsere lutherische Bibel so oft geschmäht uud für unbrauchbar erklärt haben, derselben keine solche muthwillige Entstellung und keinen solchen absichtlichen Unsinn Nachweisen können. Was kann aber wol der Grund und die Ursache zu solcher offenbaren und tendentiösen Verkehmng sein? Ich kann mir keinen andern Erklärungsgrund denken, als, milde auögedrückt, exegetische Verlegenheit. Die hebräischen Worte sind leicht und deutlich; aber die alte, eingewurzelte Feindschaft der jüdischen Schrifterklärer gegen das Christenthum hält die Uebersetzer und Revisoren der israelitischen Bibel ab, der Wahrheit die Ehre zu geben und richtig nach dem Grundierte zu übersetzen. Es ist im Gesetz Mosis klar und deutlich ausgesprochen, daß Niemand Gott sehen kann, denn es heißt 2. Mos. 33,20; „Kein Mensch wird leben, der mich flehet." Wenn man nun, meint man ohne Zweifel, 2. Mos. 24, 10. 11 übersetzen würde, Moses, Aaron, Nadab und Abihu und die stebenzig Aeltesten sahen den Gott Israels, so würde ja das offenbar jene Lehre umstoßen. Der Schlüssel, den wir Christen in der Lehre von der heiligen Dreieinigkeit zur Erklärung der sich scheinbar so widersprechenden Stellen haben, ist aber den Bekennern des Juden-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.