Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 7-8 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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105 in der That schöne Dinge, aber es ist nicht die heidnische Welt, wie civilisirt und intellectuell sie auch immer sein mag, sondern es ist die Geschichte des jüdischen Volks, und es sind ihre Denkmäler und Urkunden, wo wir die schönsten Muster des Verstandes, die schönsten Muster der Tugend, die reinsten Gefühle und die gewaltigste Thatkraft finden. Unter den Juden finden wir heute noch die edelste Erscheinung von dem, was der Mensch selbst in seinem Falle werden kann. Inmitten all' der verwüstenden Einflüsse der Zeit und all' der traurigen Wechselfälle des Glück's bleibt der Mensch eine edle Ruine und bezeugt durch manchen Rost die Würde seiner Natur. Ihr eigener großer Dichter hat in der Stelle darauf angespielt, in der er sagt: was ist der Kern des Staubes? Der Mensch ist aus ein wenig Staub bereitet, aber mit Gefühlen, mit Neigungen, mit Fähigkeiten, mit Thatkraft und mit Empfänglichkeit geschaffen. Nun, wie sollen all' diese Kräfte geweckt und zu ihrer Vollendung gebracht werden? In alten Zeiten lebte der Mensch von seinem Bogen und Pfeil und rechnete auf fallende Vögel oder Wild, um den Bedürfnissen der Natur genügen zu können. Nach und nach lernte er die Erde zu bebauen und über die Früchte des Bodens zu gebieten. Später gelangte er dahin die Schätze der Erde aufzusuchen, und nach und nach erhebt er auch seinen Tribut von den Wassern und wird durch seine Geschicklichkeit und Einsicht befähigt die Erzeugnisse der Erde über die weitesten Oceane zu den entferntesten Ufern zu führen. Endlich erhebt er seinen Tribut vom Himmel und fordert heraus den Blitz aus den Wolken, seine Befehle auszurichten und seine Zwecke, seinen Willen, seine Gedanken, trotz der Wellen und Winde und Stürme, bis an die äußersten Enden der Erde zu tragen. Dies Alles zu thun ist der Mensch sogar in seinem Falle fähig; aber blickt mit der Schrift auf ihn und sehet da, was Gott für ihn bereitet hat. — Er hgt ihm Verstand, Gefühle, Liebe, Gewissen und sogar mehr als dies Alles, nämlich das Mittel zur Erhaltung seines Seins für die Ewigkeit gegeben. So ist es Gott, der allmächtige Gott, der Hohe und Erhabene, welcher ewiglich wohnet, der uns in der Geschichte des jüdischen Volkes als der vor die Seele gestellt wird, welcher so große Theilnahme für den Menschen hat, ihn so hoch achtet, ihn so sehr liebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab und ihn auf die Erde sandte, um