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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 7-8 (1868) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
7-8 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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104 heidnische Kenntnisse besäßen, wenn wir noch so gelehrt in den Heid, nischen Alterthümern wären — wie können wir uns selbst „erkennen," bevor wir dahin gelangt sind, das jüdische Volk zu kennen? — wie können wir uns selbst ehren, bevor wir dahin gelangt sind, die heiligen Schriften zu kennen? Wie können wir als Menschen „„wissen,"" woher wir sind, wie wir sind, zu welchem Zwecke wir sind, wessen unsere Verstandeskräfte fähig sind, wessen unsere Herzen fähig sind, wessen unsere Gefühle und Gemüthsbewegungen fähig sind, bevor wir die Geschichte dieses berühmten Volkes kennen? Wie können wir uns selbst ehren, wenn der größte Dichter des Alterthums — einer der größten Geister, welche die Welt je sah, von uns sagt: „„Der Mensch ist das elendste Geschöpf, das auf Erden kriecht?"" Ich sage, daß ohne Kenntniß der Juden es unmöglich ist einen Begriff davon zu erhalten, was der Mensch war; aber wenn wir an die Geschichte des jüdischen Volkes herantreten und uns mit dem wunderbaren Buche — dem alten Testamente — bekannt machen, dann geschieht es, daß wir anfangen etwas von dem zu erkennen, was der Mensch ist, warum der Mensch ist, wohin er geht und was sein letztes Ende sein mag. Wenn wir uns zu dem Leben der Barbaren wenden, so sehen wir den Menschen in dem bejammernswerthesten Zustande, und selbst wenn wir an das civilistrte Leben herantreten, so ist doch, obschon der Mensch da etwas besser ist und sich in einer verbesserten Lage befindet, nach Allem seine Vervollkommnung ohne göttliche Offenbarung nicht so groß. Werfen Sie, zum Beispiel, nur einen Blick auf die Moral-Lehren des alten Griechenlands und Roms und auf ihre Wirkung bei denen, an welche ste gerichtet waren. Wo finden wir da bei ihnen den Adel, das Wohlwollen, die Herrlichkeit wahrer Humanität? Es find ohne Zweifel einige schöne Lehrsprüche der alten Schriftsteller Griechenlands und Roms auf uns herabgekommen; aber es ist leicht schöne Dinge zu reden und schöne Dinge zu schreiben; aber es ist nicht so leicht, diese schönen Dinge zu verstehen und zu thun. Einer von ihnen schreibt: „„Homo sum: humani nihil a me alienum puto (ich bin ein Mensch: und darum halte ich nichts Menschliches für meiner fremd),"" und ein Anderer: „„Hon ignora raali miseris succurrere disco (des Uebels nicht unkundig, lerne ich den Unglücklichen zu helfen)."" Dies sind

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