Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 5-6 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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einem Schriftgelehrten gefragt: „Welches ist das vornehmste Gebot von allen? antwortet Jesus: „Das vornehmste Gebot ist: Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott, und du sollstGott deinenHerrn lieben von ganzem Herzen; von ganzer Seele; von ganzem Gemüthe und von allen deinen Kräften. Das ist das vornehmste Gebot. Und das zweite ist ihm gleich; du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst. Es giebt kein anderes größeres Gebot denn diese." Das ist eine volltönende, vollkräftige Antwort, der man die ganze Wahrheit und das volle Verständnis des Gesetzes gleich abfühlt. Es zeigt sich an ihr, daß Jesus es ist, welcher den Geist des Gesetzes zur Geltung bringt. In der Thora finden sich die beiden Grundgebote nirgends dicht bei einander, denn 5. Mos. 6, 5 ist nur von der Pflicht der Gottesliebe, nicht aber der Nächstenliebe die Rede, und 3. Mos. 19, 18 steht das Gebot der Nächstenliebe mitten unter einer Menge anderer, ohne daß das Gebot der Gottesliebe als Grundlage derselben genannt ist. Jesus aber faßt das innerlich Zusammenhängende in eins zusammen. Während Hillel's moralisirende Antwort einseitig 3. Mos. 19,18 betonte und 5. Mos. 6, 4 rc. übersah, verbindet Jesus die beiden großen Gebote zu einem Ganzen, und zwar so, daß er das scheinbar viel Geringere dem viel Größeren gleichstellt; denn wie Licht und Strahlung, so sind Gottesliebe und Nächstenliebe im Wesen und im Grunde Eines, sie sind eins in dem Herrn unserm Gott, dem Gott Israels, der ein einiger Gott ist. „ Diese Verknüpfung der zwei Grundgebote ist im Geist des alttestamentlichen Gesetzes, aber zuerst Jesus hat sie ausgesprochen, Er, von dem Geiger sagt, daß er einen neuen Gedanken keineswegs auösprach. Es ist wohl noch nie eine Behauptung ausgesprochen worden, welche die originale culturgeschichtliche Größe des Stifters des Christenthums so selbstverblendet und schamlos herabsetzt." Ferner S. 29 und 30 heißt es: „Dieses Gebot der allgemeinen Menschenliebe findet sich nirgends in der alttestamentlichen Schrift und obschon in derselben hie und da Großmuth gegen den Feind empfohlen wird, so ist es doch Jesus zuerst und allein, welcher diese auf den Feind umfassende Liebe zum sittlichen Principe erhoben hat. Die Geschichte beweist es,