Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1868-01-01 · 5-6 (1868) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
5-6 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2554541-2554765-2554769--04938-2560881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

93 welch' ein weltbewegendes Wort das ist: „Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, thut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel." (Matth. 5, 44 rc.) In diesem Wort ist der Menschheit das höchste Ideal der Sittlichkeit vorgehalten. Höheres ist nicht möglich. Aller wahre Fortschritt der Menschengeschichte besteht seitdem in dem Siege dieser Liebe. So viel das Judenthum davon erkennt, verdankt es dies nicht. Hillel oder irgend welchem seiner alten Weisen, sondern diesem Jesus von Nazareth, der nach Geiger „einen neuen Gedanken keineswegs aussprach," in Wahrheit aber schon durch dieses Princip allumfassender Liebe eine neue Zeit begründet hat, deren Lichte sich auch das Judenthum nicht zu entziehen vermocht hat, obwohl es Den verkennt, dessen Ausstrahlung dieses Licht ist." Bei dem dritten Punkt, wie sich Beide in ihrem Leben als Dulder unterscheiden, müssen wir uns kurz fassen. Prof. Delitzsch erzählt hier Beispiele von Hillel's „Gutmüthigkeit," wie er einem „Grobian" mit unermüdlicher Geduld begegnete, wie er für einen verarmten Reichen ein Pferd und einen Trabanten miethete, und als letzterer nicht zu haben war, selbst drei Meilen weit den Vorläufer machte; wie er aber auch „in seiner Gutmüthigkeit im Stande war, dem Frieden zu Liebe sich eine Lüge zu erlauben." Die Sanftmuth Jesu in Verbindung mit seiner Demuth und Geduld wird gezeigt in seinem Leben und besonders in seinem Leiden und Sterben, da er sein Leben dahin gab als Lösegeld für Viele. In dem Schlußwort heißt es dann noch S. 40: „Entweder müssen wir uns auf die Seite des jüdischen Hohenpriesters stellen, welcher, als er auf die Frage: Du bist der Messias, der Sohn Gottes? die Antwort erhielt: Ich bin es, mit der Geberde des Entsetzens ausrief: Siehe da, ihr habt die Gotteslästerung gehört, — oder wir stellen uns auf die Seite des heidnischen Centurio, welcher das Verscheiden Jesu am Kreuze beobachtete und nach seinem letzten Athemzuge ausrief: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn (Matth. 27, 54)! Ja, er war Gottes Sohn, und er ist es als der Gestorbene und nun ewig Lebendige; das Gegenbild Jsaak's des Eingebornen Abraham's, den er auf Moria opferte; das Gegenbild

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.