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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 5-6 (1868) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
5-6 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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90 ■1 — im Vorhergehenden erwähnten — Zustand der Erstarrung, ans welchem er am folgenden Sabbatmorgen mühsam in's Leben zurückgeholt wurde. So wurde Hillel was er geworden." „Was aber Jesus geworden ist," heißt es S. 13, „sagt uns die Geschichte. Wir brauchen diese nicht erst zu machen, es genügt, daß wir ihren Thatbeftand uns in die Augen leuchten lassen und diese nicht geflissentlich verschließen. Hillel ist nicht Reformator, denn welches wäre die Urgestalt der Religion seines Volkes, die er wieder hergestellt, die Entstellungen, die er beseitigt hätte? Jesus aber ist der Begründer einer Religion, welche sich zu der Religion des alten Testaments wie deren herausgeschälter Kern und entbundener Geist verhält, der Begründer eines bis dahin in der Völkerwelt unerhörten Humanismus, einer Religion der Menschlichkeit und der Menschenliebe, welche alle Scheidewände der Volksreligionen für abgethan erklärt und alle Menschen durch neue Bande der allumfassenden göttlichen Liebe verbrüdert. Wie — fragen wir nun — ist er das geworden? Auch er war wie Hillel ein Sproß deö herabgekommenen davidischen Geschlechts, aber nicht wie Hillel in Babylonien herangewachsen, dem Lande, dessen jüdische Bewohnerschaft damals schon mit der im Mutterland« heimischen nationalen Bildung zu rivalistren begann, sondern in Galiläa, dem Lande, auf welches der Judäer mit stolzer Verachtung herabsah, wie etwa der Grieche auf Böotien oder der Pariser auf die Gascogne. Und in diesem verachteten Lande war seine Heimath die allerverachtetste Ortschaft." ... Wenn es — Nazareth — nur in den Evangelien erwähnt würde, so würde die neuere Kritik vielleicht behaupten, daß es nie eristirt habe, aber noch heute liegt es wie vor zwei Jahrtausenden mit seinen an den Bergabhang angebauten Häusern in der Furche eines tiefen, schmalen Thalbeckens, welches auf drei Seiten mit Bergen umgeben ist und im Süden sich nach der als Wahlstatt alter und neuer Schlachten berühmten Ebene Jesreel hinabsenkt. Hier in dieser stillen Abgeschiedenheit wuchs Jesus auf, wie eine Lilie im Thal. Außer seinem Elternhaus gab es für ihn dort keine Bildungsstätte, als nur etwa das Bethaus. Hillel's Weisheit konnte mit Recht als ein Absenker der Weisheit S chemaja's und Abtalion's gelten, aber von einem Lehrer Jesu wußte Niemand

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