Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1868-01-01 · 5-6 (1868) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
5-6 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554765-2554769--04927-2560870
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

82 samkeit zur Schau, mehr Fertigkeit in kühnen Behauptungen als in gesunder logischer Untersuchung. Sein modus procedendi ist höchst einfacher Art: er trifft eben nur seine eigene Wahl — was sich in der Bibel vorfindet und ihm paßt, nimmt er an, was sich seinen Absichten und Zwecken nicht scheint anpassend machen zu lassen, wird saus oärämonie von ihm verworfen. „Gott sprach zu Abraham: Nimm Isaak, deinen einigen Sohn" (V. 1 und 2), wird als zwecklos bei Seite geworfen: „Lege deine Hand nicht an den Knaben" (V. 12), entspricht dem Zwecke und muß daher als Beweis herangezogen werden, daß Abraham im Begriffe stand Isaak dem Moloch zu opfern, ihm aber „dieser Act verwehrt" wurde; die gleich darauf folgenden Worte: „denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest, und hast deines einigen Sohnes nicht verschonet, um meinetwillen," die den Grund erklären, warum Gott, der „Abraham versuchte," nach Seinem Wohlgefallen auch ihm „diesen Act verwehrte:" — werden jedoch zur Unterdrückung verurtheilt, weil sie dem Zwecke nicht entsprechen. Als „Gottes Wort in der Bibel" wird von Geiger eben nur das hingenommen, was seiner nihilistischen Anschauung nicht den Krieg erklärt; alles Andere jedoch in der Bibel, das geeignet ist, seine Behauptungen niederzuschmettern und seine — auf selbstgewählte, aus ihrem Zusammenhang herausgerissene und obendrein noch ad libitum gedrehte und gewendete Bruchstücke der heiligen Schrift aufgebauten Argumente zu vernichten, — wird von Geiger verworfen. Oder sollte man erwarten, daß er es doch annehmen werde? Nein, er protestirt dagegen: es ist unmöglich „Gottes Wort," sintemal das, was von ihm als „Gottes Wort" angesehen wird, stets mit dem übereinstimmen muß, und je und je nur mit dem coincidiren kann, was ihm wohlgefällig ist, und hieraus folgt, daß dasjenige, was ihm nicht wohlgefällig, auch nicht „Gottes Wort in der Bibel" ist. G ei g er und seine jüdischen und christlichen Genossen haben in ihren reformistischen Bewegungen augenscheinlich den Grundsatz der Jesuiten adoptirt, die stets den zu erreichenden Zweck fest im Auge behalten, ohne irgendwie skrupulös zu sein bezüglich der zu verwendenden Mittel, seien sie auch noch so verwerflich (nach ihrer Maxime: „der Zweck heiligt die Mittel"). „Daß Abraham bereit war sein Liebstes herzugeben, das kann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.