Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 5-6 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Sie sind noch in Deutschland. Die Bewohner Englands sind ein Volk, das Gott fürchtet, und wenn wir unfern Sabbath so beobachteten, wie sie den ihrigen, so würde unser Messias längst gekommen sein." Diese Worte einer Jüdin waren der erste Pfeil, der sein Gemüth traf und in Folge dessen er allmählich zu der Ueberzeugung von der Wahrheit des Chriftenthums geführt wurde. Er beschloß, die Bibel der Christen — so nannte man nämlich das neue Testament — zu lesen. Nächte lang blieb er auf, studirte dasselbe und verglich es mit dem alten Testament, bis er zu der Ueberzeugung gelangte, daß Jesus Christus der Messias ist. Der Geist Gottes führte ihn zu einer gründlichen Erkenntniß seines verlornen Zustandes. In seiner tiefen innern Noth fiel er auf seine Kniee und rief den Namen Jesu Christi an. Sein Gebet wurde erhört, er empfand bje Versicherung, daß ihm seine Sünden vergeben seien und freute sich Jesu Christi als des Gottes seines Heils. Ohne Zögern bekannte er sogleich seinen Herrn vor seinen jüdischen Bekannten, die zuerst mit ihm stritten, endlich aber ihm ihr Haus verboten. In der ersten Zeit schrieb sein Vater ihm freundliche Briefe, und ermahnte ihn, zu dem Gott seiner Väter zurückzukehren, als er entgegnete, er sei entschlossen, da zu bleiben, wo er Frieden gefunden habe, antwortete sein Vater damit, daß er den Tag verfluchte, an dem er geboren war, und daß er ihm jede fernere Unterstützuug oder Erbschaft versagte und ihn ganz und gar von seiner Familie ausschloß. Dieser Brief verursachte ihm große Traurigkeit, mehr um seiner Verwandten, als um seiner selbst willen, und er hörte niemals auf, für die Glieder seiner Familie zu beten, bis er erfuhr, daß sie gestorben waren. Der Herr aber verließ ihn nicht, sondern erweckte ihm viele Freunde. Seinen dürftigen Unterhalt erwarb er sich dadurch, daß er Unterricht im Französischen und Deutschen ertheilte. Er hatte den ernstlichen Wunsch, Missionar zu werden und setzte sich deshalb in Verbindung mit der Londoner Missions-Gesellschaft, die ihre Missionare zu den Heiden sendet. Aber diese Gesellschaft trug Bedenken, einen jüdischen Proselyten auszusenden, indem sie dafür hielt, daß er lieber unter seiner eigenen Nation wirken solle. Andere Freunde gaben denselben Rath; zu jener Zeit aber gab es noch keine englische Gesellschaft, die Missionare zu den Juden gesandt hätte. Im Sommer 1808