Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 5-6 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 den Eingang zu hindern» welche zwar die Wolken der Unwissenheit, in welche das Volk gehüllt war, berührten, aber nicht mit ihrem Lichte durchdrängen. Er wollte einige gute Schößlinge auf den vermorschten Stamm pfropfen, wünschte aber nicht, daß der ganze Baum erneuert und lebendig gemacht werde. Was unsere geringen Arbeiten unter all' diesen Schwierigkeiten ausgerichtet haben würden, wenn nicht ernstere Hindernisse dem versprechenden Erfolge entgegen getreten wären, liegt außer dem Bereiche unseres Erkennens. Das Licht der göttlichen Wahrheit, schon über so manchen Berg und manches Thal verbreitet, hatte bereits einen großen Theil der geistigen Finsterniß und der geistlichen Nacht verscheucht. Diese Wahrheit hatte die Falascha gelehrt, die kindischen Meinungen und unberechtigten Forderungen der fanatischen Träumer und selbstgerechten Ascetiker zu verwerfen und hatte ihr Forschen auf das Wort gerichtet, welches weder die Vernunft bedrückt, noch die Seele zum Sklaven macht; sie hatte das Gemüth manches christlichen Priesters mit ihrer Leben spendenden Kraft erfüllt und seinem erstaunten Blicke die vom Himmel geoffenbarte Weisheit enthüllt, welche theologische Streitigkeiten und Leidenschaften auf's Höchste verdunkelt hatten, sie war in ein Dutzend Schulen für die Jugend eingedrungen und hatte die Schüler dahin gebracht, die leichtgläubige Einfalt zu bemitleiden, welche auf einen seidenen Strick, der um den Hals hängt, oder auf ein Zaubermittel aus Pergament, das an der Brust bammelt, vertraut, aber nicht auf das Alles vermögende Verdienst eines mitleidigen Heilandes. Es war unstreitig ein Tag der Gnade für einige Gegenden angebrochen, und es bedurfte, menschlich gesprochen, nur noch eines Anstoßes des Geistes von Oben, und die traurigen Schatten des Aberglaubens und des Götzendienstes würden vor den erleuchtenden Strahlen, welche aus der heiligen Schrift sich ergossen, geflohen sein. Unglücklicherweise war der Abuna bei dieser wichtigen Lage der Dinge machtlos und ein halb Gefangener; und der König, der die Augen seiner sklavischen Unterthanen durch glühende Vorspiegelungen von Wohlergehen und Glück verblendet hatte, hatte alle Fesseln abgeschüttelt und stürzte sich in Laster und Verbrechen, welche ihm alle Macht genommen und über das zerstörte und blutende Reich die furchtbarsten Schrecknisse gebracht haben. Henry A. Stern.