Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Ein anderes Beispiel charakteristischer Toleranz und Verträglichkeit bringen ebenfalls beide genannten Judenzeitungen, „der Israelit" in Nr. 18 und „die allgemeine Zeitung des Judenthums in Nr. 19. In letzterem Blatt heißt es: „Kuriosa aus Amerika." Amerikanische Blätter enthalten folgendes Beispiel von Religionsmengerei: „Am verflossenen Sonntage kündigte die Congregation der dortigen christlichen Unitarier in Hofskins-Hall an, daß sie in Ermangelung eines eigenen Pastors den Oberrabbiner der Synagogen von Broadway und Sirthstreet, Herrn vr. Max Lilienthal, ersucht habe, auf der christlichen Kanzel aushilfsweise zu fungiren und in der Kirche zu predigen. Se. Ehrwürden waren so gefällig, dem Ansuchen zu willfahren! Die Kirche war gedrängt voll, da man den Rabbi zu einem christlichen Auditorium sprechen und für Christen und mit denselben beten hören wollte. Nach dem üblichen einleitenden Gesänge bestieg der Rabbiner die Kanzel und hielt ein Gebet, in welchem er von der Zusammengehörigkeit und Gleichheit derMenschengeschlechter sprach, zum Schluffe das Herannahen des Zeitpunktes erflehend, der alle Menschen vom Jrrthum befreit und nur einen Gott anbetend zeigen würde. Es wurde sodann statt des Evangeliums das fünf und vierzigste Kapitel Jesaias vorgelesen, worauf der Rabbi eine Predigt für die religiöse Freiheit hielt; Gewissensfreiheit, hieß es in der Rede, ist nur da möglich, wo Staat und Kirche vollkommen von einander getrennt sind. „Es versteht sich von selbst, — so bemerkt „die allgemeine Zeitung des Judenthums" — daß Niemand etwas dagegen haben kann, wenn Vorträge öffentlich von Leuten aus den verschiedensten Religionsparteien gehalten werden. Ein Anderes ist es aber, geistliche Funktionen in der Kirche einer andern Religionögenossenschast „„aushilfsweise"" zu verrichten! Es gehört dies zu den Wandelungen, welche vr. Lilienthal in seinem vielbewegten Leben durchgemacht hat." Solche Toleranz und Humanität, solche Verträglichkeit ist also doch den für diese Güter kämpfenden Juden zu weit getrieben. Der jüdische Tempelvorstand in Prag lehnt das Anerbieten, die reformirte christliche'Kirche zum jüdischen Gottesdienst zu benutzen, ab; „der Israelit" läßt mit aller Humanität seine Verachtung gegen die christliche Kirche durchblicken; und über das Beispiel der amerikanischen