Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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unwissenden Juden, die sogenannten Am haarez, berufen und Toleranz und Humanität und Gleichheit nach dem Muster dieser Religion beanspruchen können, das wird wohl nicht so leicht Jemand begreifen. So stark indeß und so weitgehend die Forderungen der Juden in dieser Hinsicht auch sind, so scheinen sie doch noch gewisse Grenzen berücksichtigen zu wollen. In Nr. 12 der allgemeinen Zeitung des Judenthums 1867 wird in einer „Privatmittheilung" aus „Prag" Folgendes berichtet: „Der Umbau des Tempels ist bereits in Angriffgenommen. Wir können nicht umhin bei Gelegenheit das tolerante und humane Benehmen des Herrn Kossuth, Pastors an der reformirten Gemeinde, mitzutheilen. Derselbe stellte dem Tempelvorstand den Antrag, während der Zeit des Baues den Gottesdienst unterdeß in der Kirche abzuhalten; das humane Anerbieten wurde vom Vorstande dankend abgelehnt, da die Wohnung des Herrn Professor Kämpf in eine Interims-Synagoge umgestaltet wurde." Dieselbe Mittheilung bringt auch „der Israelit" in seiner Nr. 10. Beide jüdische Zeitungen, das Organ der Orthodoxen und das der Reform bezeichnen also das übereilte Anerbieten des reformirten Pastors als einen Act der Toleranz und Humanität, der vielleicht nach der Ansicht vieler Juden und sogenannter Christen ganz in der Ordnung ist und sich von selbst versteht; der Prager jüdische Tempelvorstand hätte wohl auch das „humane Anerbieten" angenommen, und hat vielleicht nur darum dasselbe abgelehnt, da, wie „der Israelit" sagt, „auf eigenem Grund und Boden in der früheren Wohnung des Predigers für einen Interims-Gottesdienst gesorgt" war. Mit der Bemerkung: „auf eigenem Grund und Boden" scheint „der Israelit" jedenfalls ein solches „humanes Anerbieten" mit wohl verdienter Verachtung zurückzuweisen; er betrachtet also eine christliche Kirche noch als fremden Grund und Boden, auf den er noch keinen Anspruch erhebt. Die allgemeine Zeitung des Judenthums macht keine solche tolerante und humane Abweisung, und es wäre die Frage, ob sie und ihre Gesinnungsgenossen wohl auch eine christliche Kirche noch als fremden Grund und Boden ablehnen und abweisen möchten?