Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Erstgebornen jammert." Wir wollen uns nicht mit vielen Bemerkungen aufhalten über die seichten und verflachenden Ausdrücke: „ Geist der Milde und der Gnaden" — Zunz: „ Geist der Gnade und des Mitleidens." — Daß unsre lutherische Uebersetzung dem Hebräischen genau entspricht, geht schon daraus hervor, daß das Wort, welches Zunz und Luther mit „Gnade" — die israelitische Bibel aber mit „Milde" übersetzt, sehr häufig in der Verbindung vorkommt: „Gnade finden vor Jemand." Das andere Wort, welches bei Luther: „Gebet," in der israelitischen Bibel: „Gnaden" und bei Zunz: „Mitleiden" gegeben ist, kommt in den Psalmen öfters vor, wo auch selbst die israelitische Bibel es Psalm 28, 2. 6. 31, 23 mit: „Flehen" und Psalm 116, 1 mit: „Gebet" übersetzt. Hiermit hat die israelitische Bibelanstalt ihre eigene Uebersetzung in unsrer Stelle selbst gerichtet. — Wichtiger und trauriger als diese Abschwächung ist die Entstellung der Uebersetzung durch Einschiebung der Worte: „Um jeden." Im Hebräischen ist Nichts, das ein solches Einschiebsel erfordern oder rechtfertigen könnte, und da die zwei kleinen eingeschobenen Worte obenein ohne Parenthese und ohne jede Anmerkung hingestellt sind, als ständen sie im hebräischen Text, so liegt die Vermuthung einer tendentiösen Einschaltung leider auf der Hand. Zunz übersetzt zwar auch: „Aber ich gieße aus über das Haus David und über die Einwohner Jeruschalajims einen Geist der Gnade und des Mitleidens, und sie schauen zu mir auf (bei Jeglichem), den sie durchbohrt haben" u. s. w.; aber er setzt die im hebräischen Text nicht vorhandenen Worte wenigstens in eine Parenthese. Es ist offenbar, den jüdischen Uebersetzern liegt Alles und muß Alles daran liegen den „Durchbohrten" oder „Durchstochenen" nicht denselben sein zu lassen, zu dem aufgeschaut wird. Denn sind Beide eine und dieselbe Person, ist derjenige, zu dem man aufblickt und der den Geist der Gnade und des Gebets ausgießt zugleich der Durchbohrte: so muß man zugeben, daß es keine gewöhnliche, menschliche Person sein kann, von der hier die Rede ist. Der einfache hebräische Tert läßt aber keine andere Auffassung zu; er gestattet durchaus nicht, daß man da an einen „Jeden" denken könne, der etwa in einem Kriege im Laufe der Zeit durchbohrt worden ist. Was man sich übrigens dabei denken soll und mag, wenn