Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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32 «ach unserer lutherischen Uebersetzung also: „Aber über das Haus David's, und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets; denn sie werden mich ansehen, welchen jene zerstochen haben, und werden ihn klagen, wie man klaget ein einiges Kind; und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübet um ein erstes Kind." Diese Uebersetzung ist, wie Jedermann zugeben wird, genau nach dem Hebräischen; nur daß man allenfalls sagen kann, das Wörtchen: „Jene" in dem Satze: „Welchen jene zerstochen haben," sei eingeschaltet und es müsse heißen: „Welchen sie zerstochen haben." Die Worte sind eine messianische Verheißung, die um so wichtiger ist, als sie von der göttlichen Person des Messias Zeugniß giebt — es wird ihm die Ausgießung des heiligen Geistes zugeschrieben — und zugleich von seinem Todesleiden. Den Juden war daher die Stelle sehr unbequem. Aehnlich wie Raschi bei Psalm 2, legt Abarbanel, wie Hengstenberg bei unsrer Stelle (Christologie Th. 2 S. 297) anführt, das naive Bekenntniß ab, das Hauptaugenmerk bei seiner Erklärung sei, den Anstoß hinwegzuräumen, welchen die Erklärung der Christen von dem Gekreuzigten seinem Volke gebe." Die Juden konnten nicht anders, als die Worte von dem Messias zu erklären; nur helfen sie sich mit der Erdichtung von zwei Messiasen, einem Sohne David's und einem Sohne Josephs, auf welchen letzteren sie alle solche Weiffagungen bezogen, die von dem Leiden und Sterben des Messias handeln. Demgemäß sagen auch die jüdischen Commentatoren Raschi lind Kimchi: „Unsre Rabbinen erklären diese Stelle von dem Messias, dem Sohne Josephs, der getödtet werden soll, wie im Talmud Sukkah angeführt ist." Die israelitische Bibelanstalt, die an keinen persönlichen Messias glaubt, weder an einen Messias, den Sohn Davids, noch an den sogenannten Messias, den Sohn Josephs, giebt nun auch eine solche Uebersetzung der Stelle, daß man in derselben keinen Messias mehr finden kann, auch nicht einmal eine „Messiasidee." Diese Uebersetzung lautet also: „Dann gieß ich über das Haus David's und über die Bewohner Jerusalems einen Geist der Milde und der Gnaden aus, daß sie zu mir aufschauen um jeden, welchen man durchbohrt hat, und über ihn trauern, wie man um einen Einzigen trauert, und um ihn jammert, wie man um einen