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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 3-4 (1868) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
3-4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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40 Sturm und Meer gebot, und, als ein König des Geistes, des Todes Macht und des Teufels Gewalt unter seine Füße trat? Er war nicht gekommen Davids Thron herzustellen, — was galt es ihnen, daß er unter ihnen bauen wollte ein ewiges Gottesreich, das Friede und Freude ist im heiligen Geiste? Er war nicht mürrisch, noch gräulich (Jesaias 42, 4), es war nicht seine Weise das zerstoßene Rohr zu zerbrechen, er war der Gebeugten Trost und der Verwundeten Arzt; — sie schalten's: er ist der Sünder Freund und der Zöllner Geselle. Er deckte ihre Heuchelei auf und verwundete tief die tugendstolzen Leute, — da hoben fie Steine auf gegen ihn! Er entzog ihnen den Boden unter ihren Füßen, ihr Gesetz, deß sie sich rühmten, indem er sich hinstellte als des Gesetzes Erfüller, dem alle äußere That nichts gilt, die nicht aus der Liebe quillt; denn des Gesetzes Summe sich faßt in dies: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten als dich selbst; — und sie? sie haßten ihn von ganzem Herzen! Er trat offen heraus mit dem Bekenntniß: ich bin das Licht der Welt, ich die Wahrheit, ich die Auferstehung und das Leben; er bekannte und leugnete nicht: du sagst es, ich bin Christus, der Sohn des Hochgelobten, — und sie schlugen ihn in's Angesicht; denn ein solcher Messias war ihren stolzen Herzen ein Greuel. Pilatus führt ihn heraus, „ihren König," den dornengekrönten, in dem ganzen, vollen Schmuck seiner geduldigen, leidenden, für sie leidenden Liebe, — „hinweg mit dem, an'sKreuz mit dem!" Ueber demKreuz stand geschrieben: „Jesus von Nazareth, der Juden König." Noch wurmte es die stolzen Leute, sie schämten sich solches Königs und gingen und baten: schreibe nicht „der Juden König, sondern daß er gesagt habe, er sei der Juden König!" Seht, das war die alte Zionstochter, hochmüthig geworden und stolz und selbstgerecht. Und in diesem Hochmuth hat sie bis zuletzt den Adlern, die über dem Aas sich sammelten, die Flügel gestärkt, in stolzem Trotz gegen die Römer sich empört, und in der sicheren Erwartung, es müßte der im Himmel sitzt, nach all' ihrem Greuel ihnen seinen Arm leihen, — waren sie doch Abrahams Söhne! — haben sie jede Unterwerfung geweigert, bis ihr Stolz furchtbar gezüchtigt ward, und die Bäche des Zornes Gottes und seines Fluchs sich über sie ergossen, wie die Bäche vom Himmel in den Tagen der Sündfluth!

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