Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 3-4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 auf den Nacken seiner Feinde. Und Jerusalem ward das herrlich geschmückte und gekrönte Haupt des Landes. Daselbst wohnte Davids Macht und Salomons Glanz und Weisheit; daselbst hatte Jehova selber seine Wohnung erkoren: „hier will ich wohnen, spricht der Herr!" Der Glanz ihrer Herrlichkeit aber hat ihre Augen geblendet, und der Vorzug ihrer Erwählung hat die Kinder Israels stolz gemacht. Daß sie der Weinberg des Herrn sind, ist ihr Rühmen gegen die Heiden, — und sie achten'S nicht, daß sie ihrem Herrn Heerlinge bringen anstatt süßer Trauben; das väterliche Gesetz ist ihr Stolz, — und sie achten's nicht, daß sie es nicht gehalten in einem Stücke; daß der Herr seine Wohnung hat in ihrer Mitte, fühlen sie als einen Vorzug, — und sie achten's nicht, daß sie ihm tausendfach den Rücken gewendet in ihrer Untreue. „Bleibet doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn's vom Libanon herabschneiet, und das Regenwaffer verschießt nicht so bald, als mein Volk mein vergiffet" (Jeremias 18,14). Trotz aller Züchtigung von der Hand des Herrn, trotz aller Warnung seines Mundes werden sie, je länger, je mehr, die gesetzeöstolzen, selbstgerechten Leute, die in dem Spiegel des väterlichen Gesetzes nicht ihre Sünden erkennen, wohl aber ihre Tugenden selbstgefällig bespiegeln; die alle Strafrede und Mahnung abweisen mit dem stolzen Wort: wir haben Abraham zum Vater! Und Jerusalem, die Stadt, die auch den letzten Propheten, der zu ihr gesandt ist, hinausftößt unv tödtet, die Heimath der aufgeblasenen Priester, der dünkelhaften Schriftgelehrten, — o sie ist die rechte Vertreterin dieser stolzen, selbstgerechten und hochmüthigen Art, die einen Heiland nicht braucht. Lange und mit Ungeduld haben sie gewartet auf den verheißenen Davidssohn, daß er das verhaßre Joch der Heiden zerbreche und mit neuer, größerer Herrlichkeit, denn je, die Burg Zion kröne. Es kam der verheißene Davidssohn; er konnte nicht nach dem Herzen dieses Volkes sein: Er war ihnen „eines Zimmermanns Sohn von Nazareth," —was kümmerte es sie, daß ihm vom Angesicht leuchtete die Majestät des Gottessohnes, der „von Oben" ist? Er hatte nicht königlichen Glanz und Reichthum, er hatte nicht, da er sein Haupt hinlegte, er hatte nicht eines Helden und Königs Art, — was achteten sie's, daß er mit allmächtiger Hand Wunder that, daß er mit starkem Arm über