Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 1-2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554765-2554767--04868-2560809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
25 ihm verstehen, um fich auf diese Weise aus der Schwierigkeit zu helfen, in die sie gerathen find. Unsre heutigen Reformer haben in ihrer Eigenschaft als Fortentwickelungsmänner einen bedeutenden Schritt weiter gethan. Sie läugnen kurzweg den Glaubensartikel, an dem das ganze Judenthum bis zum Ende des letzten Jahrhunderts festgehalten hat und an dem die orthodoxen Juden noch festhalten, daß ein Messias verheißen ist und kommen soll. Vor einigen Jahren erklärten in Wien einige Rabbiner öffentlich vor Gericht, daß sie an gar keinen Messias glauben, auf keinen Messias hoffen. Es entstand ein ziemlicher Federkrieg, die Orthodoxen erhoben ein starkes Geschrei; die allgemeine Zeitung des Judenthums aber brachte bald einen langen beschwichtigenden Artikel über: „Die Messiasidee." (Nr. 17, 1864.) Der Verfasser versucht darzuthun, daß alle die biblischen Zeugnisse, die Juden und Christen als messianische Weissagungen betrachten, nichts von einem persönlichen Messias wissen und enthalten, sondern lediglich von einer „Messtasidee" reden. Wenn auch in etwa zwei oder drei solcher sogenannten messianischen Weissagungen der mittleren Propheten, wie eines Jesaias, eine Andeutung von einer Person des Messias durchschimmere, so hätten die Verkündiger solcher Weissagungen den grade damals herrschenden König Israels vor Augen gehabt. Uebrigens tauche der Gedanke an einen persönlichen Messias eben nur bei den mittleren Propheten auf; bei den ältesten finde fich nur die Messtasidee ausgesprochen und von den letzten Propheten sei der Gedanke an eine Person gänzlich beseitigt worden. Aus der Schrift lasse sich also die Lehre von einem persönlichen Messias durchaus nicht darthun.*) Die Art und Weise, wie sich die Fortschrittsmänner im Judenthum auf diesem Gebiet der Exegese helfen, ist also ein einfaches Leugnen der Messiaslehre. Alle Weissagungen werden so erklärt, daß nichts übrig bleibt als eine nackte und abstrakte Messiasidee, also ein Gedanke. Da aber die Gedanken der Menschen bekanntlich eitel oder wie die jüdischen Bibelübersetzungen lauten: „nichtig" sind Ps. 94,11, so ist auch dieser Gedanke der jüdischen Reform von der Messiasidee nichtig und eitel. *) Ausführlicheres hierüber siehe Dibre Emeth 1864 Nr. 9 —12 in dem Artikel: „Persönlicher Messias oder bloße Messiasidee."