Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 1-2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 wie Ke ein Leser an sie nur richten kann, gefällig und zugänglich sind. Wenigstens was mich betrifft, haben mich dieselben in meinen öffentlichen Bestrebungen niemals gestört, immer unterstützt, öfters gefördert. Im Handbuch S. 207 heißt es: „Auch der in ächtem Proselyten-Eifer es mit den jüdischen Proselyten Stahl, Philippi, Paulus Cassel ausnehmende Sudhoff gehört in diese Kategorie. Was Herr Nippold unter „Proselyteneifer" versieht, lehrt das Beispiel von Sudhoff bereits deutlich. Er schreibt ihm in den Protestantischen Blättern „Unterdrückung des unbefangen geschichtlichen Sinnes" zu. Zum Beweise führt er trotz seiner „Weihestunden" die Artikel desselben in der Real-Encyklopädie von Herzog an. Es ist interessant, diesem Beweise nachzugehen. Dann darf ich mich freilich nicht mehr sträuben, „Proselpteneifer" zu haben. Das Gegentheil wäre ein Vorwurf. Nichts desto minder ist mir doch eines auffallend. Ich habe eigentlich sehr wenig Theil an aller kirchlichen Polemik genommen. Ich liebe sie nicht, weil ich mich scheue, die zarten Grenzen der gebotenen Liebe zu verletzen. Ich halte dafür, daß selbst die gläubigen Freunde der Kirche nicht selten darin zu viel thun. Kaum wird mir Jemand auch da, wo ich auch gegnerisch urtheile, Härte, Verurtheilung, Bitterkeit vorwerfen können. Ich fürchte immer, daß die natürliche Lebhaftigkeit mit dem Maße, damit wir richten sollen, durchgehe. Ich habe auch nie eine enge Parteistellung im Leben eingenommen. Unter Politikern und kirchlichen Leuten abweichender Meinung habe ich mich bewegt und geschieht das noch immer. Ich arbeite täglich daran, milder zu werden — und habe manches Wort in der Kammer wie in Gesellschaft deshalb unterdrückt. Ein ungesprochenes Wort schadet gewiß weniger, als ein schlimm gesprochenes. Aber freilich habe ich dabei in der Sache kein Hehl über meine Meinung. Ich bin ohne Menschenfurcht und ohne Parteifurcht erwachsen. Auch sind die Herren von der „Badischen Partei" ganz eminent empfindlich. Sie begnügen sich niemals mit Widerlegung der Sache. Ihr Zorn ist unglaublich und wird — während sie sonst von Toleranz überfließen — allsogleich auf den Convertiten ausgegossen. Es ist nicht das erste Mal, daß mir das begegnet. Als der Geh. Kirchenrath vr. Schwarz in Jena mir einen Artikel in der Evangelischen