Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 1-2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Denn Alles, was nicht für Schenkel ist, heißt extrem. Ein Fanatiker ist, der sich gegen ihn erklärt. Zu den Zeloten gehört man so lange, bis man sich nicht von aller conservativen Gesinnung entfernt hat. Ne ander ist der einzige, welcher von den Judenchristen für gemäßigt erklärt wird, „weil er gegen die Evangelische Kirchenzeitung geschrieben." Niemand aber würde mehr als dieser fromme Kirchenlehrer dagegen protestirt haben, daß man ihn als den einzigen Conversus hinstellte, der Liebe besessen hätte.*) Vielmehr ist Liebe der tiefste Quell, aus dem alle Convertiten aus dem Judenthum schöpfen. Wer Stahl in seinem Hause kannte, kindlich, gütig, wohlthätig wie er war, wer Da Costa und Capadose kannte, wird bei verschiedenen Gaben immer die eine milde Stimmung wahrnehmen, die sich mit fester Ueberzeugung vertrug. Und man würde ein falsches Bild von Neander erhalten, traute man ihm eine sentimentale Schwächlichkeit zu, die zu Allem feig die Augen zudrückt und sich Liebe nennt. Die „neue Aera" in Baden würde, wenn er lebte, wahrscheinlich dasselbe von ihm erfahren haben, was sie von Nitzsch erfuhr. Dafür muß sich aber auch dieser fromme und gelehrte Mann in seinem hohen Greisenalter von Nippold, wie folgt, meistern lassen: „er sei, nachdem er früher darüber geklagt, daß seine Schüler ins orthodoxe Lager übergegangen, schließlich durch die Unterzeichnung eines seine ganze Lebensthätigkeit desavouirenden Actenstücks ihrem Beispiele gefolgt." Dieses Actenstück ist nämlich die Erklärung der preußischen Theologen gegen Schenkel, welche Nitzsch mit unterschrieben. Weil er das aber that, so ist der Umstand, daß seine Wirksamkeit, nach Herrn Nippold's Ansicht, so wenig bleibende Früchte gezeigt, nicht bloß „in dem durch die Gedankentiefe veranlaßten schwierigen Style zu suchen." Aus demselben Grunde wird von Dorner gesagt, „erhübe mehr als einmal mit seinem ehrlichen Namen die Thaten Anderer decken müssen"; von Müller, „er habe in der Ehescheidungsfrage den ortho- *) Die Anzeige, die das „Handbuch" in der Protestantischen Kirchenzeitung 1867 Nr. 13 durch den Prof. Holzmann in Heidelberg empfing, sagt, sein Standpunkt sei der von Neander. Nach den gegebenen Proselyten-Citaten wird das Niemand glauben. Er nennt auch andere Vorbilder.