Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 24 (1868)
- Issue
- 1-2 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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13 ungläubiger Vertraulichkeit, unwürdiger Verdächtigung zu tragen. Dazu kommt die vornehme Protection eines kalten Glaubens und die rücksichtslose Selbstsucht der kirchlichen Parteien, die gar nicht daran, denken, daß sie geistlich zu geben haben, sondern nur nehmen und gebrauchen wollen. Und da er doch nicht allen, am liebsten keiner von ihnen, sondern nur Christo und dem von ihm abgelegten Bekenntnisse angehören will, so sind sie bald alle nicht mehr mit ihm zufrieden. Das erfährt Jeder mehr oder weniger, nach Mannichfaltigkeit der Stellung und der Bildung, denen er im Leben angehört. Es würde uns auch nicht einfallen, an Nippold's Buch dergleichen Erwägungen zu knüpfen, wenn dieser eigene Gedanken ausspräche. Denn er redet, wie die Parteien reden, nur nach seiner Art und dem Zeitungögeist, der ihn erfüllt, unzarter und dreister, als es Andere thun würden. Aber er verbindet damit, wie schon berührt — und zwar als Organ seiner Partei — weitergehende Tendenzen und Wirkungen und diese fügen zu den sonstigen Erfahrungen, denen sich Christen aus dem Judenthum unterworfen sehen, noch einen neuen Stachel hinzu. Die Redensart von dem „ Proselyteneifer" *) ist viel älter als irgend eine moderne Partei, und es bezeichnet nichts mehr die wunderliche Verzerrung, welche man dem schwer erfochtenen Bekenntniß eines Prosclyten bereitet, als wenn man aus der ersten Liebe, die er fühlt, aus der Freudigkeit, die ihn belebt und der Lust, dankbar zu bekennen und zu wirken, die ihn treibt, einen Vo rwurf macht. Es war allerdings auch „Proselyteneifer," in welchem die Apostel ihr Leben einsetzten, um das Wort ihres Herrn zu Juden und Heiden zu bringen. Was das Evangelium Liebe nennt, heißt im Munde der Parteigegner „ Proselyteneifer." Liebe ist eine active, eine schaffende, suchende, vorwärts dringende Kraft. Niemand muß sie mehr erfahren haben, als ein Proselyt. Niemand lernt ihre Seligkeit mehr kennen. In ihren Schooß fallen versöhnt alle schmerzlichen Erinnerungen; aus ihr erheben sich unter allem Kreuz, wie in tausend Blüthen, die die Frühlingsnacht erzeugt, Hoffnungen und Tröstungen. Die Liebe war *) Goethe: J. conyertiti stano freschi appresso di me (Werke 3. 178).