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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 1-2 (1868) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
1-2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 ein Schritt voll Wehmuth und Thränen, aber der Convertit tritt dabei in eine neue Genossenschaft ein, die für ihn ein Relief, eine Stütze, ein Trost wird. Die Tiefe des Opfers nach dem natürlichen Menschen, welche der Gang zur Kirche für den Juden zumeist erfordern wird, läßt sich mit Worten kaum beschreiben. Weil er vorwärts geht, läßt er zurück. Es ist eben aufgelöst, was gebunden war, und damit auch Bande, welche die Liebe und Gewohnheit bis an das innerste Herz geknüpft haben. Er nimmt Abschied von Vater- und Mutterhaus. Eine unausfüllbare Fremde legt sich zwischen ihn und seine Geschwister, Genossen und Freunde, die auch Toleranz, Bildung, Unglauben der Seinen nicht entfernt. Das Kreuz, das er annimmt, geht mitten durch die zarteste Empfindung. Wie zu Abraham das Wort erscholl: Geh aus deinem Lande, deiner Heimath, deinem Vaterhaus, so ist ihm angekündigt, daß sein neues Bekenntnißleben ein dauernder Weggang und Abschied sein werde. Das erfährt zumeist der jüdische Proselyt. Alle Kämpfe, welche die Weggänge aus der Familie, von Geschwistern, von Jugendgespielen, von Studienfreunden, aus einer literarischen Coterie, einer politischen Fraetion, einer gesellschaftlichen Verbindung, einer religiösen Genossenschaft einschließen, alle zusammen muß der jüdische Proselyt überwinden, der in seinem Herzen Christum umschließt. Er erfährt buchstäblich, was geschrieben steht: Wer mir folgen will, verläugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. (Luc. 9, 23.) Und noch mehr. Fröhlich geht er in die Erfüllung, denn ohne Siegesgewißheit wäre seine Kraft verloren. Aber nun kommt er in Kreise, wo oft so wenig erfüllt ist. Das Ideal seiner Seele hört er zwar in den Worten seines Meisters, in den Glocken seiner Kirche — aber nicht alle Gemeinschaft, zu der er kommt, drückt es aus. Der katholische Convertit kommt gewissermaßen zu einer Partei, die ihm Ersatz, Schutz, Genugthuung gewährt. Nicht dasselbe kann der Proselyt immer in seiner Seele rühmen. Die Versuchungen, die er innerhalb der Christenheit erfährt, sind nicht geringer, als der überwundene Schmerz des Weggangs. Unbeschreiblich sind die Stimmungen, denen er allen in christlichen Umgebungen ausgesetzt ist. Viel — denn wie sollte hier von Allem geredet werden — hat er an unzarter Liebe, an dreistem Mißtrauen,

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