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Dibre Emeth · 1868-01-01 · 1-2 (1868) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
24 (1868)
Issue
1-2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s An diesen Bericht schloß sich schon ein Jahrhundert später folgende Legende: Constantin sei wegen seines fortdauernden Heidenthums vom Aussatz ergriffen worden. Kein Arzt konnte ihn heilen, aber die Götzenpriester schlugen ihm vor, seinen Leib im Blute unschuldiger Kinder zu baden. Tausende von Kindern wurden ihren verzweifelnden Müttern entrissen. Ein herzzerreißendes Klagegeschrei erhebt sich. Da spricht der Kaiser: „Ich darf diese Kinder nicht tödten. Wir haben ein Römisches Gesetz, daß der sterben muß, welcher im Kriege ein Kind getödtet und ich sollte dies an unfern eigenen Kindern thun! Was hilft es, Barbaren besiegt zu haben, wenn ihre Grausamkeit uns besiegt. Lieber will ich sterben, damit die Unschuldigen leben, als durch ihren Tod grausam gewinnen." Wegen dieser edlen Gesinnung erbarmte sich Gott seiner. Im Traum erscheinen ihm Petrus und Paulus und weisen ihn an den in der Verborgenheit lebenden Silvester, welcher Constantin durch ein anderes Bad, das der Taufe, heilt. Der Sinn der Erzähluug stellt sich bei näherer Betrachtung als sehr belehrend dar. Constantin bezeugt sich als der umgekehrte Herodes. Auch dieser lag in der letzten Zeit seines Lebens an schrecklicher Krankheit danieder, die Niemand heilen konnte. Aber er ist ein Mörder der unschuldigen Kindlein in Bethlehem; er hört nicht auf die Stimme der weinenden Rahel, und darum stirbt er in seinen Sünden. Wie anders als dieser König, unter dem Christus geboren war, zeigt sich Constantin, unter dem das Kreuz das Banner der Römischen Kaiser wurde! Das Heidenthum war nach altem kirchlichem Sprachgebrauch die eigentliche Krankheit (lepra), von der den Herodes nicht der Kinder Blut, aber den Constantin das Bad (piscina, lavacrum) des heiligen Wassers sühnte. Das Andenken des Kindermordes in Bethlehem wär auf den 28. December angesetzt worden. Es war in den ersten Tagen nach Christi Geburt, da die grausame That geschah. Man feierte die Erinnerung an die Kindlein, die ersten Märtyrer der Christenheit seit uralter Zeit. Ein Prediger sagt von ihnen: „Sie sind die Christusstreiter, die eher zu kämpfen als zu leben, eher zu leiden, als zu spielen, eher Blut zu vergießen, als Milch zu trinken begannen." Constantin ist kein Herodes, kein Pharao, er will nicht über sein

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