Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 23 (1867)
- Issue
- 11-12 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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188 zugestandene andere Bedeutung des „übel, wehe thun" hier am Platz und Luthers Uebersetzung „Stab Wehe" die richtige. Mit diesem Stab Wehe hat nun der Hirt freilich nicht die gesammte Schlachtheerde geweidet, sondern nur die elendesten der Schafe. Da er den Bund mit der übrigen Heerde aufgehoben, kam es für Israel darauf an, sich einige Zeit noch mit dem Stabe Wehe weiden zu lassen, bis es, geläutert unter den Züchtigungen, wiederum die Tage der Erquickung erfahren dürfte. Der Hirt hat sich erboten, nachdem er den Stab Huld, unter welchem es die Völker und Israel gut gehabt hatten, zerbrochen, Israel wenigstens noch weiter zu weiden, wenn auch nur mit dem Stabe Wehe. In der großen Roth, welcher nun die Völker preisgegeben wurden, sollte Israel freilich noch nicht gute Tage haben, aber doch wollte der Hirt in dieser bösen Zeit auch sein Hirte sein und es durch all das Elend pur enger mit sich verbinden. Durfte er jetzt gleich nicht mit dem Stabe Huld weiter sein Amt verwalten, bei Israel wollte er sein Amt doch weiterführen, so wie es überhaupt in der nun anhebenden Noth möglich war. Israel sollte die bösen Tage ebenso gut aus der Hand seines Hirten annehmen als vorher die guten, und ihm dabei stille halten, damit es wie Abraham, Isaak, Jacob, David und alle Väter in der Leidensschule für die Zeit der Herrlichkeit zubereitet würde. Wir haben oben gesehn, wie gerade das Israels weltlüsterner, stolzer, selbstgerechter Sinn nicht wollte; es kannte nur zweierlei: Entweder gute Zeiten durch den Hirten Jehovahs oder Trennung von ihm. Da zerbrach der Hirt auch den Stab Wehe, gab sein Hirtenamt auf und vernichtete die Brüderschaft zwischen Juda und Israel; ja dies letztere sollte die besondere Strafe für den erfahrenen Undank sein. Allerdings heißt es nicht: Gott habe auch den Bund mit Israel wie den mit den Völkern zerstört; der Bund mit den Völkern war nur ein zeitweiliger, der Bund mit Israel ein beständiger, wie es so oft bei Moses und den Propheten heißt. Was daher jetzo geschah, war nicht eine solche Abkehr des Hirten von dem Volke Israel, daß er niemals wieder zu demselben sich wenven wollte, aber doch hörte er fürs Erste auf Israel zu weiden. Und vernichtet wurde auch damit etwas für Israel, nämlich die Brüderschaft